Tabak und Trauben

Genuss Wenn es um Zigarren geht, denken die meisten an Whisky oder Cognac als Begleiter. Am Gourmetfestival St. Moritz traten ein Zigarrenhersteller und ein Weinhändler an zu beweisen, dass auch die Kombination mit Wein ein spannendes Erlebnis sein kann. Beda Hanimann

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Vino Italiano (Bild: (47721020))

Vino Italiano (Bild: (47721020))

Der Ort: «Schweizerhof» im Dorfzentrum von St. Moritz mit seinem über hundertjährigen Fumoir aus vielgestaltigen Holzarbeiten. Die Affiche: Ein Abend unter dem Motto «Wein und Zigarren». Etwas überraschend, die meisten Aficionados denken an Cognac oder Whisky als Begleiter, wenn sie zu Zigarrenschere und Streichholz greifen. Aber gerade das machte die Ankündigung spannend.

Angeboten wurde die Veranstaltung im Rahmen des St. Moritzer Gourmetfestivals vom St. Galler Weinhaus Caratello und der Oettinger Davidoff Group. Doch die Zusammenführung von Trauben und Tabak fand nicht statt – mangels Anmeldungen. Die Bestätigung also, dass das eben doch nicht zusammen geht, Wein und Zigarren?

Essen kontra Rauchen

Caratello-Inhaber Ueli Schiess räumt tatsächlich einen Denkfehler ein. «Die meisten Festival-Besucher sind wohl hier wegen der Spitzenköche aus aller Welt, die in den verschiedenen Hotels ihre Gaumenkunst demonstrieren – und nicht, um einen Abend im Fumoir zu verbringen.» Dass letzteres funktioniert und grundsätzlich auch auf Interesse stösst, hat Schiess bereits bei gemeinsamen Degustationen mit dem Gossauer Zigarrenhaus Tabak Fend erfahren, wo Geniesser aus der halben Schweiz nach Gossau reisten. Und auch «Schweizerhof»-Direktor Martin Scherer zweifelt nicht am Reiz eines Wein-Zigarren-Abends. Er fasst ins Auge, ihn im Frühling, also ausserhalb des Festivals, nachzuholen.

Viele Gemeinsamkeiten

Tatsächlich sind Wein und Zigarren zwei Genussprodukte, die verblüffende Gemeinsamkeiten haben. Beides sind Naturprodukte, bei denen der Vorgang der Fermentation ein prägender Faktor ist. Bei beiden führt der Dreiklang von Herkunft bzw. Terroir, Verarbeitung und Veredelung sowie Reifung und Lagerung zum harmonischen Endprodukt.

«Aus minderwertigem Tabak kreiert auch der grösste Meister keine gute Zigarre», sagt Melanie Büscher, Medien-und PR-Managerin bei Davidoff. Für den Wein, ergänzt Schiess, gelte dasselbe. Weiter bekommt sowohl den Zigarren wie dem Wein eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit von 70 Prozent bei der Lagerung – sowie eine Temperatur, die 20 Grad nicht übersteigt. Ausserdem ist beiden Produkten eine schiere Unüberschaubarkeit des Angebots eigen, wie Günter Schöneis in seinem «Lexikon der Lebensart» anmerkt: «Bei dieser Vielfalt kann die Welt der Zigarre für den Laien so verwirrend wie die Welt der Weine sein.»

Wein macht es schwieriger

Und trotzdem gibt es Erklärungen dafür, dass Destillate wie Whisky oder Cognac die gängigeren Zigarren-Begleiter sind. «Wein hat ein breiteres Spektrum von Geschmacksnoten, das Spiel von Süsse und Säure, von Salznoten und Tanninen ist vielfältiger», sagt Schiess. Das mache das Kombinieren schwieriger. «Man kann mit Wein eher daneben liegen als mit Whisky und Cognac.» Ein Faktor sei auch der hohe Alkoholgehalt der Destillate, welcher den Gaumen entspanne. Beim Wein dagegen bleiben die Geschmacksnerven aufmerksamer, wodurch man eher realisiert, wenn eine Kombination nicht stimmt.

Leicht zu leicht

Welche Art von Wein also zu welcher Zigarre? Letztlich sei das Geschmackssache, räumt Melanie Büscher ein. «Grundsätzlich aber ist es wie bei der Wahl des Weins zum Essen: Leicht zu leicht.» Das ist auch für Schiess die grosse Linie. Also zu Weisswein und leichten Roten eher leichte Zigarren. Ein wichtiger Faktor sind für ihn die Gerbstoffe, welche Bitterkeit je nachdem verstärken oder eher abschwächen. «Eine kräftige Zigarre zu einem Barolo würde ich nicht nehmen», sagt er. Und eine weitere Erfahrung, die er bei der Zusammenarbeit mit Tabak Fend gemacht hat: «Wir fanden keinen Schaumwein, der mit Zigarren gut harmoniert hat.»

Anhand einiger Beispiele erläutern Büscher und Schiess im kleinen Kreis, wie sich Zigarre und Wein ergänzen und komplettieren können – oder eben nicht. Der relativ säurebetonte Barbera d'Alba Conca Tre Pile von Aldo Conterno etwa unterstreicht für Schiess das bittere Element der relativ kräftigen Millennium Robusto. Der im Vergleich dazu lieblichere Chianti Classico Vigna del Sorbo dagegen gleiche die Gerbstoffe aus.

Bei der kräftigen, würzigen Puro d'Oro Magnifico aus reinem dominikanischem Tabak verblasst der leichte Barbera, auch der Chianti wird zu sehr von der Zigarre dominiert. Die findet im kompakten, kräftigen Paleo Le Macchiole, einem sortenreinen Cabernet Franc aus der Maremma, ihr ideales Pendant.

Geniessen statt analysieren

Eine letzte Frage bleibt für den Laien offen. Gemeinhin heisst es ja, Rauchen beeinträchtige die Geschmacksempfindung – das wichtigste Instrument der Weinverkostung. Das bestreiten weder Büscher noch Schiess. «Wenn ich professionell degustiere, dann ohne Rauch», sagt dieser, Melanie Büscher: «Auch wir trinken keinen Whisky zum Degustieren.» Aber hier gehe es ja nicht um Analyse, sondern um den Genussmoment. Darum, den Genuss mit schönen Ergänzungen zu steigern. Oder mit spannenden Kontrasten.

focus - Paleo Le Macchiole

focus - Paleo Le Macchiole