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ST.GALLEN/PARIS: Von der Inspiration bis auf den Laufsteg: Designer Kriemler und der lange Weg eines Kleides

Von Weil am Rhein über Santa Fe bis nach Paris: Für seine Kreationen scheut Akris-Designer Albert Kriemler keine Mühen. Er erzählt von den Stationen eines Kleides aus der aktuellen Frühlingskollektion.
Odilia Hiller, Paris
Alexander Girard (1907–1993) war ein amerikanischer Architekt, Innenarchitekt und Designer. (Bild: pd)

Alexander Girard (1907–1993) war ein amerikanischer Architekt, Innenarchitekt und Designer. (Bild: pd)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier:<strong><em>www.tagblatt.ch/epaper</em></strong>

Es ist kurz nach Mittag in Paris. Zwei Tage sind vergangen, seit das St. Galler Modehaus Akris seine Herbst-/Winterkollektion 2018/19 im Palais de Tokyo über den Laufsteg geschickt hat. Im Showroom von Akris geht es zu wie im Bienenhaus. Einkäuferinnen und Einkäufer aus der ganzen Welt sind da, um die neuesten Kreationen zu begutachten und letzte Bestellungen aufzugeben. Journalistinnen und TV-Teams geben sich die Türklinke in die Hand.

Am Vortag noch hat Chefdesigner Albert Kriemler mit der 93-jährigen Modelegende Hubert de Givenchy zu Mittag gegessen. Akris hatte in den 1970er-Jahren für Givenchy produziert – was dieser nie vergessen hat. «Er sprudelt noch immer vor Ideen», erzählt Kriemler begeistert. Am Abend dann luden der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte zum Diner in den Elysée-Palast. Ganz ohne Protokoll. «Fühlen Sie sich wie zu Hause», habe der Staatspräsident gesagt. Eine Premiere an der Pariser Modewoche – und eine Geste des Präsidenten, den kreativen Köpfen zu danken, die Paris weiterhin zur Modemetropole schlechthin machen. Albert Kriemler ist der einzige Schweizer Modedesigner, der zu diesem Kreis zählt. Die Art und Weise, wie er davon erzählt, zeigt: Er nimmt es nicht für selbstverständlich. «Der gestrige Tag hat für Akris Geschichte geschrieben», sagt er.

Inmitten des Showroom-Treibens nimmt Kriemler sich Zeit, für die "Ostschweiz am Sonntag" noch einmal den Weg eines Kleides nachzuzeichnen, das zurzeit in die Akris-Boutiquen rund um den Globus kommt. Es ist eines seiner Lieblingsstücke aus der im Herbst in Paris präsentierten Frühling-/Sommerkollektion 2018.

Auf den Spuren des Designers Alexander Girard

Die Inspiration zu den farbenfrohen, humorvollen und entspannten Looks findet Albert Kriemler im Herbst 2016 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein beim Besuch der Ausstellung über den amerikanischen Architekten, Innenarchitekten und Stoffdesigner Alexander Girard (1907–1993).

Alexander Girard (1907–1993) war ein amerikanischer Architekt, Innenarchitekt und Designer. (Bild: pd)

Alexander Girard (1907–1993) war ein amerikanischer Architekt, Innenarchitekt und Designer. (Bild: pd)

«Ich war begeistert und fasziniert von der ganzheitlichen Kreativität Girards, von seinem Humor, und natürlich auch von seinem Werdegang und seiner Geschichte», sagt Kriemler. Inspiration sei etwas, was einfach geschehe. «Man kann sie nicht einplanen.» Er beschliesst, Alexander Girards vielfältiges, ästhetisches Werk zum Thema der nächsten Kollektion zu machen. Der Designer spricht mit Rolf Fehlbaum, dem emeritierten Seniorchef des legendären Design-Familienunternehmens Vitra, das den Girard-Nachlass hütet. Denn Girard hatte eng mit den Vitra-Designern Charles und Ray Eames zusammengearbeitet.

Akris-Designer Albert Kriemler mit den Nachbildungen der Puppen Alexander Girards in St.Gallen. (Bild: pd)

Akris-Designer Albert Kriemler mit den Nachbildungen der Puppen Alexander Girards in St.Gallen. (Bild: pd)

Der Vitra-Patron ist hocherfreut und lässt Albert Kriemler ins Archiv steigen. «Was dann passiert, ist rein subjektiv. Ich gehe in diesem Stadium nach dem Bauchgefühl und wähle ausschliesslich, was mir gefällt. Ich weiss noch nicht, was daraus entstehen wird», sagt Kriemler.

Das Wandbild und seine Skizze

Er wählt unter anderem die Skizze für das Wandbild, das Alexander Girards erstes Haus in Santa Fe, New Mexico, schmückte. «Dass daraus ein Druck werden würde, war aufgrund des Bildes schnell klar.» Kriemler kehrt ein weiteres Mal nach Weil am Rhein zurück. Diesmal mit seinem engsten Design-Team. Es wird beraten, verglichen und gesammelt. Schnell entdeckt Kriemler, wie viel ihn mit Girard verbindet: «Sein Farbsinn, die Auseinandersetzung mit Textilien. Das sind alles Dinge, mit denen ich täglich zu tun habe.»

Alexander Girards Skizze für das Wandbild in seinem Haus in Santa Fe wird zur Inspiration für das Akris-Kleid. (Bild: pd)

Alexander Girards Skizze für das Wandbild in seinem Haus in Santa Fe wird zur Inspiration für das Akris-Kleid. (Bild: pd)

Die Kollektion geht ihm einfach von der Hand. «Es ist einfach geflossen», erinnert er sich. Vieles muss sehr schnell gehen. Die einzelnen Prozesse dauern lediglich zwei bis drei Wochen. Im Frühling sind die ersten Stoffmuster bereit, darunter auch die Übersetzung des Wandbildes auf den Stoff.

Reisen in die Künstlerhochburg Santa Fe

Jetzt reist Kriemler nach Santa Fe. Ohne den Segen der Nachkommen Alexander Girards will er nicht weitermachen. «Das muss einfach sein. Das gehört dazu.» Er zieht mit acht bis zehn Stoffvorschlägen los und verbindet die Reise nach New Mexico mit einer Tour durch die Akris-Geschäfte im südlichen Teil der USA, die in den vergangenen vier Jahren eröffnet haben.

Das Girard-Haus in Santa Fe in einer historischen Aufnahme. Die Wandbilder sind typisch für den Architekten. (Bild: pd)

Das Girard-Haus in Santa Fe in einer historischen Aufnahme. Die Wandbilder sind typisch für den Architekten. (Bild: pd)

Santa Fe ist der Ort, wo Girard die letzten Jahrzehnte seines Lebens verbrachte. Im Volkskunstmuseum einer der wichtigsten Künstlerstädte der USA ist ein ganzer Flügel Alexander Girards umfangreicher Volkskunstsammlung gewidmet. Albert Kriemler nimmt weitere Inspirationen auf. Und er zeigt der Familie des verstorbenen Designers, was er bis jetzt gemacht hat. Wenig erstaunlich: Sie freuen sich, geben ihm den Segen und sprechen ihm das Vertrauen aus.

Arbeiten an Stoff, Druck und Schnitt

Zurück in St. Gallen wird fieberhaft weitergearbeitet. Als Grundstoff für das Wandbildkleid, englisch «Mural», wird ein Stoff aus feinster gezwirnter Popeline, 100 Prozent Baumwolle, entwickelt. «Der federleichte Stoff fühlt sich an wie ein angenehmes Papier, was ja das Ziel war», sagt Kriemler. «Diese Popeline ist das Beste, was ein Schweizer Stoff bieten kann.» Er wird in Wängi (TG) gewoben und in Como bedruckt. «Ich habe dort einen guten Freund, der für uns die anspruchsvollsten Drucke ausführt», so Kriemler.

Kunstdruck auf edelster Schweizer Popeline: Am Kleid arbeiten nur Spezialisten. (Bild: pd)

Kunstdruck auf edelster Schweizer Popeline: Am Kleid arbeiten nur Spezialisten. (Bild: pd)

Die Herausforderung für den Desiger und sein Team: Welchen Schnitt wählen, damit das Wandbildmotiv gut wirkt. «Ich will den Künstler respektieren, der mich inspiriert», so Kriemler.

Es wird ein Kimonokleid – und einer der meistbeschriebenen Looks der Kollektion. Ein Vierteljahr später reist der Designer abermals nach Santa Fe. Nochmals wird alles mit der Familie Alexander Girards angeschaut: Wieder gibt sie grünes Licht. «Ich brauche diese Unterstützung», sagt Kriemler.

Der Designer holt sich zudem auf 2000 Metern über Meer in New Mexiko die Inspirationen für den Endspurt. Zu diesem Zeitpunkt fügt sich Girards Puppenmotiv zur Kollektion und drückt ihr seinen Stempel auf. Für das Defilee Anfang Oktober 2017 in Paris werden übergrosse Girard-Puppen aus Styropor hergestellt: die Kulisse im Palais de Tokyo.

In der Boutique an der Avenue Montaigne

Fünf Monate nach der Schau: In der Akris-Boutique an der Avenue Montaigne in Paris hängt Albert Kriemlers Mural-Kleid und wartet darauf, getragen zu werden. Es kostet 2190 Euro.

Die «Mural»-Ecke in der Akris-Boutique an der Avenue Montaigne. (Bild: Odilia Hiller)

Die «Mural»-Ecke in der Akris-Boutique an der Avenue Montaigne. (Bild: Odilia Hiller)

Exklusive Kundinnen kommen und gehen – und sie haben wohl kaum eine Vorstellung davon, welchen Weg diese Kreation hinter sich hat. Denn jedes Akris-Kleid hat eine Geschichte. Und Albert Kriemler ist schon auf dem Weg zur nächsten.

Das «Mural»-Kleid von Akris aus der Frühling-/Sommerkollektion 2018 geht als Look 28 über den Pariser Laufsteg. (Bild: pd)

Das «Mural»-Kleid von Akris aus der Frühling-/Sommerkollektion 2018 geht als Look 28 über den Pariser Laufsteg. (Bild: pd)

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