Ständig kann alles passieren

Von jungen Menschen für junge Menschen: Der TV-Sender Joiz hat von Anfang an auf Social Media gesetzt. Und das Publikum macht mit.

Cathrin Michael
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Joiz macht interaktives Fernsehen. Wie das funktioniert, erlebt man vor Ort, im Fernsehstudio in Zürich Oerlikon. Während der Moderator Knackeboul seine Sendung Knack Attack aufzeichnet, passiert ständig Unvorhergesehenes. Plötzlich erhält der Moderator von der Regie die Meldung, ein junger Mann wolle sich per Skype in die Sendung einschalten.

Ausgeschaffter dank Skype dabei

Es ist der 15jährige Artur aus Münsingen, Bern, der mit seiner Mutter nach Russland ausgeschafft wurde. Auf dem Monitor sieht man Artur, verschwommen zwar, aber er ist da und grüsst seine Freunde in der Schweiz. Und Tausende Joiz-Zuschauer sehen zu.

«Das war ein magischer Moment», sagt Elif Erisik, Programmchefin bei Joiz. «Diese Momente gibt's nur, weil bei uns ständig alles passieren kann.» So läuft während der Live-Sendungen zum Beispiel der Chat. Die Zuschauer stellen dort ihre Fragen an die Gäste, oder sie stimmen per Voting ab, welchen Song die Band spielen soll, die in der Sendung gerade interviewt wird. «Der Zuschauer wird für seine Interaktionen belohnt. Er darf das Programm mitbestimmen und kann so wichtige Punkte sammeln», erklärt Erisik. Diese können gegen Preise eingetauscht werden, wie CDs oder Konzerttickets.

Joiz ging im März 2011 auf Sendung und war von Anfang an dabei, als Social Media zum Stichwort wurde. «Das ist unser grosser Vorteil, so sind wir anderen TV-Sendern voraus.» Joiz empfängt man digital und seit Mai diesen Jahres auch über Kabel. Die UPC Cablecom reichte zwar Beschwerde ein, weil der Inhalt zu banal sei, blitzte beim Bundesamt für Kommunikation jedoch ab.

Frei von der Leber weg reden

Das Fernsehen von jungen Menschen für junge Menschen – wer reinzappt, mag kritisieren, dass die Moderatoren noch eher unerfahren sind. Was aus ihren Mündern kommt, tönt oft unüberlegt. Oder wie es die Programmchefin sagt: «Wir wollen authentisch sein. Da ständig alles passieren kann, müssen sie frei von der Leber weg reden können.» Die Stimmung im Fernsehstudio, das auch ein Grossraumbüro ist, scheint kollegial. Ein paar Bürotische, klingelnde Handys, und vorne wird eine Sendung aufgezeichnet. Gepflegter Rock'n'Roll ist Konzept. «Klar waren die Moderatoren am Anfang noch unerfahren, doch sie sind in ihre Aufgabe reingewachsen», sagt Erisik. «Und weil die Zuschauer von Anfang an dabei waren, funktioniert das auch.»

Weitere Infos unter: www.joiz.ch

Programmchefin Elif Erisik. (Bild: pd)

Programmchefin Elif Erisik. (Bild: pd)