St. Galler Erfolg mit «Affenviren»

Forscher am Kantonsspital St. Gallen waren die ersten, die mit einem Affenvirus einen Hepatitis-C-Impfstoff entwickelten. Das Affenvirus wird nun im Ebola-Impfstoff verwendet. Das ist nur einer der St. Galler Forschungserfolge.

Bruno Knellwolf
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Der Chemiker Christian Cossu vom Institut für Rechtsmedizin erklärt Kantonsschülern die DNA-Analyse. (Bild: pd)

Der Chemiker Christian Cossu vom Institut für Rechtsmedizin erklärt Kantonsschülern die DNA-Analyse. (Bild: pd)

Die Kantischüler blicken interessiert auf den Redner im weissen Kittel und die Informationstafeln im Institut für Rechtsmedizin am Kantonsspital St. Gallen. Christian Cossu erklärt, wie man Einbrechern über deren DNA, die sie am Tatort hinterlassen haben, auf die Spur kommt. Einer hat bei Dutzenden von Einbrüchen seine DNA in der ganzen Schweiz verteilt, erzählt der Forensische Genetiker am Kantonsspital St. Gallen.

Ärzte und Forscher

Dort wird somit nicht nur operiert, therapiert und gepflegt, sondern auch nach Verbrechern gesucht und vor allem viel geforscht. Das wird am Tag der Forschung am vergangenen Donnerstag den Gymnasiasten der Kantonsschule Burggraben und anderen Besuchern gezeigt. «Wir bieten einen Einblick in unsere vielfältigen Forschungsaktivitäten», sagt Forschungsleiter Burkhard Ludewig. «Zehn bis zwanzig Prozent unserer Ärzte sind neben ihrer Tagesbeschäftigung in der Forschung aktiv.»

Ludewig koordiniert als Leiter des medizinischen Forschungszentrums die verschiedenen Aktivitäten. Traditionell steht in St. Gallen die Forschung am Tumor, in der Kardiologie, an Infektionen und an der Lunge im Vordergrund. «Wenn jemand auf einem anderen Gebiet eine Forschungsidee hat, werden wir diesen Arzt so gut wie möglich unterstützen», erklärt Burkhard Ludewig.

Hepatitis-C-Impfung

Die rund hundert St. Galler Ärzte, die an der Forschung aktiv beteiligt sind, können einige Erfolge vorweisen. Denn gute Ideen fänden Geld für die daraus entstehenden Studien. So wie jene zur Hepatitis-C-Impfung von Matthias Hoffmann von der Klinik für Infektiologie, welche für ein EU-Projekt mit der Universität Oxford ausgewählt worden ist.

Langsamer Krankheitsverlauf

«Hepatitis-C kann eine Lebererkrankung auslösen. Das geht von der Vernarbung des Lebergewebes bis zu einem Tumor. Das kann aber unbemerkt viele Jahre dauern», erklärt Hoffmann in seinem Referat am «Tag der Forschung» im Kantonsspital St. Gallen.

Aufgrund dieses langen Krankheitsverlaufs könne es sein, dass nun gehäuft Menschen eine kranke Leber bemerkten, die den Virus in den 60er- und 70er-Jahren aufgelesen haben. «In Zeiten, in denen man mehr ausprobiert hat als heute.» Mehr ausprobiert bezieht sich auf den Drogenkonsum. Denn Hepatitis-C wird über das Blut und somit oft über Spritzen übertragen.

«Patienten wissen oft gar nichts von ihrer Ansteckung und sind somit eine potenzielle Quelle für Übertragungen neuer HCV-Infektionen. Wir Menschen sind das einzige Reservoir. Die Menschheit könnte das Virus aber loswerden mit einer Impfung», sagt Hoffmann.

Er forscht mit HIV-Patienten, um einen HCV-Impfstoff zu finden. Dabei ist dem St. Galler und britischen Forschern die Natur zu Hilfe gekommen. Affen tragen Adenoviren auf sich, die sich als Verpackung und Transportmittel für einen Teil des Hepatitis-C-Virus eignen, der im Impfstoff einen lebenslangen Schutz vor Hepatitis-C ermöglicht. «Das Adenovirus wird jetzt auch im Ebola-Impfstoff getestet. Aber wir waren die ersten, die das Adenovirus bei der Swissmedic durchgebracht haben», sagt Hoffmann.

HIV-Patienten werden geimpft

Mit diesem im Vergleich zu herkömmlichen Impfstoffen komplizierter herzustellenden Impfstoff werden jetzt HIV-Patienten geimpft. «Unser Ziel ist es, das Virus auszurotten», sagt Hoffmann. Zu Beginn seiner nun erfolgreichen Forschung hat er sich übrigens einiges anhören müssen. Zum Beispiel die Frage, ob der Affenimpfstoff uns zu «Affen» mache.

Ein anderes herausragendes Beispiel ist die Forschung von Oberärztin Martina Broglie, die herausfinden wollte, woher der Rachenkrebs kommt und wie er behandelt werden kann. «Krebs im Rachenbereich wird häufiger», sagt die Forscherin von der Hals-Nasen-Ohren-Klinik am Kantonsspital. Das habe mit den Humanen Papillomaviren (HPV) zu tun, die auch zu Gebärmutterhalskrebs führen können. HPV wird beim Sex übertragen, weshalb die Vermutung entstand, das über Oralsex Rachenkrebs entstehen könnte. «Ein Indiz dafür ist der Schauspieler Michael Douglas», sagt Broglie. Douglas hatte gesagt, dass sein Rachenkrebs nichts mit dem Rauchen zu tun habe, sondern mit häufigem Sex mit verschiedenen Frauen.

Wichtiger Risikofaktor

Martina Broglie konnte durch ihre Forschung zeigen, dass HPV ein wichtiger Risikofaktor für Rachenkrebs ist, unabhängig vom Rauchen. Diese Erkenntnis sei gerade angesichts der wachsenden epidemologischen Bedeutung von Rachenkrebs in Zukunft wichtig. Angesichts dieser steigenden Gefahr antwortete Broglie auf die Frage, ob sie wegen des steigenden Rachenkrebs-Risikos ihre Buben gegen HPV impfen würde, mit einem deutlichen Ja. «Die werden definitiv geimpft. Mit einer HPV-Impfung ist alles abgedeckt.»

Ausgezeichnete Arbeit

Für ihre Arbeiten über das Humane Papillomavirus und dessen Rolle bei der Entstehung von Rachenkrebs hat Martina Broglie 2013 den mit 20 000 Franken dotierten SAKK-Pfizer Award erhalten.

Burkhard Ludewig Leiter des Forschungszentrums am Kantonsspital St. Gallen (Bild: pd)

Burkhard Ludewig Leiter des Forschungszentrums am Kantonsspital St. Gallen (Bild: pd)

Matthias Hoffmann Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen (Bild: pd)

Matthias Hoffmann Klinik für Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen (Bild: pd)