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SPRACHSPASS: Genau: Mamihlapinatapai

Man kann sie schon übersetzen, die «unübersetzbaren Wörter» – allerdings braucht es dafür eine umständliche Erklärung. In jeder Sprache gibt es Wörter, die so nur dort vorkommen. Ein Buch hat die schönsten nun versammelt.
Julia Nehmiz
Die junge englische Grafikerin Ella Frances Sanders hat sich einige der unübersetzbaren Wörter geschnappt und in ihrem Buch «Lost in Translation» versammelt. (Symbolbidl) (Bild: JOCKEL FINCK (AP))

Die junge englische Grafikerin Ella Frances Sanders hat sich einige der unübersetzbaren Wörter geschnappt und in ihrem Buch «Lost in Translation» versammelt. (Symbolbidl) (Bild: JOCKEL FINCK (AP))

Julia Nehmiz

«Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor» – Faust war verzweifelt. Da hatte er nun, ach!, so viel studiert – und wusste trotzdem nichts. Hätte er mal das Büchlein «Unübersetzbare Wörter» gelesen, vielleicht wäre er nicht den Pakt mit dem Teufel eingegangen, und Gretchen wäre gerettet. Nicht, weil Faust darin erfahren hätte, was die Welt im Innersten zusammenhält – aber er hätte gelesen, dass es durchaus Begriffe gibt für Dinge, Gefühlszustände, Vorkommnisse, die so laut deutscher Sprache nicht vorgesehen sind. Die junge englische Grafikerin Ella Frances Sanders hat sich nun einige der unübersetzbaren Wörter geschnappt und sie in einem Buch versammelt. «Lost in Translation» heisst es, «verloren in der Übersetzung» – doch bei sehr vielen ihrer ausgewählten Begriffe fragt man sich, warum die nicht schon längst weltweit Einzug gefunden haben in den allgemeinen Sprachgebrauch. So ist es doch viel einfacher (zumindest für geübte Zungen), «Mamihlapinatapai» zu sagen, anstatt umständlich etwas zu wursteln von wegen ja, da ist eine stillschweigende Übereinkunft zwischen zwei Menschen, die sich beide das Gleiche wünschen, und leider nicht den ersten Schritt tun wollen. Mamihlapinatapai würde so viele erste Dates vereinfachen! Oder zumindest die Erzählungen über so viele erste Dates. Die Ureinwohner Chiles, die Yaghan sprechen, sind da bedeutend weiter.

Komorebi - Japanisch: Das Sonnenlicht, das durch die Blätter von Bäumen schimmert. (Bild: pd)
Sgrìob - Gälisch: Das eigenartige Kribbeln auf der Oberlippe, bevor man einen Schluck Whiskey nimmt. (Bild: pd)
Kaapshljmurslis - Lettisch: Ein Wort, das das unangenehme Gefühl beschreibt, in überfüllten öffentlichen Verkehrsmitteln eingequetscht zu sein. (Bild: pd)
Murr-ma - Wagiman (Australien): Wenn man nur mit den Füssen etwas im Wasser sucht. (Bild: pd)
Hanyauku - Rukwangali (Namibia): Auf Zehenspitzen über heissen Sand laufen. (Bild: pd)
‘Akihi - Hawaiianisch: Wenn man sich eine Wegbeschreibung anhört, dann losläuft und sie augenblicklich wieder vergisst, heisst das, man geht «‘akihi». (Bild: pd)
Iktsuarpok - Inuktitut: Wenn man immer wieder hinausläuft, um nachzusehen, ob jemand (irgendjemand) vorbeikommt. (Bild: pd)
Gurfa - Arabisch: Die Menge Wasser, die man in einer Hand halten kann. (Bild: pd)
Karelu - Tulu (Südwestindien): Der Abdruck, der auf der Haut zurückbleibt, wenn man etwas zu Enges getragen hat. (Bild: pd)
Mångata - Schwedisch: Die Spiegelung des Mondes auf dem Wasser, die wie eine Strasse aussieht. (Bild: pd)
Pisan Zapra - Maliisch: Die Zeit, die man braucht, um eine Banane zu essen. (Bild: pd)
Cotisuelto - Karibisches Spanisch: Ein Mann, der sich weigert, sein Hemd in die Hose zu stecken. (Bild: pd)
12 Bilder

Unübersetzbare Wörter

Wenn Ihnen nun einmal ein Wort fehlen sollte, schlagen Sie nach bei «Lost in Translation». Vielleicht gibt es in einer anderen Sprache just den einen Begriff, um dieses eine Gefühl, diese eine Begebenheit, den einen Menschen zu beschreiben. Das Deutsche kennt zwar Millionen von Wörtern – das Dudenkorpus zählt mittlerweile mehr als zwei Milliarden Wortformen. Fünf, für andere Sprachen als unübersetzbar geltende, haben es in die deutsche Ausgabe von «Lost in Translation» geschafft: Kummerspeck, Warmduscher, Drachenfutter, Kabelsalat und Waldeinsamkeit. Trotzdem, wie Ella Frances Sanders beweist, auch in der deutschen Sprache fehlen noch ein paar.

Hinweis

Ella Frances Sanders, «Lost in Translation – Unübersetzbare Wörter aus der ganzen Welt», DuMont Buchverlag, Köln 2017

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