Sprachliche Zumutung oder Kreativität?

«Ey Alte, gömmer Migros.» «Jo weisch, de het sie gseit... denn han i gseit...» Überall wo man hinhört, kommen solche Sprüche aus den Mündern der Jugendlichen. Und es scheint: je jünger, desto schlimmer. Für manch einen unfreiwilligen Zuhörer eine sprachliche Zumutung.

Sereina Jörg
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Sereina Jörg)

Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Sereina Jörg)

«Ey Alte, gömmer Migros.» «Jo weisch, de het sie gseit... denn han i gseit...» Überall wo man hinhört, kommen solche Sprüche aus den Mündern der Jugendlichen. Und es scheint: je jünger, desto schlimmer. Für manch einen unfreiwilligen Zuhörer eine sprachliche Zumutung. Und nicht selten fühlt sich die ältere Generationen darin bestärkt, dass die Jugend langsam verblöde. «Die können ja nicht mal mehr richtiges Deutsch.» Heisst es dann gerne.

Sprachwissenschafter halten da glücklicherweise dagegen. Für sie ist die sogenannte Jugendsprache eine normale Entwicklung. Sprache verändert sich ständig und der Motor für diese Veränderungen sind seit je her nicht die Alten, sondern die Jungen. Verkürzungen, Spiele mit Wörtern oder Kombinationen von verschiedenen Sprachen sind kein Sprachzerfall, sondern zeugen vom kreativen Umgang mit der Sprache. Das soziale Umfeld scheint dabei massgeblich zu sein. Beispielsweise könnten sich viele Jugendliche durchaus sehr gewählt ausdrücken – aber tun es nicht, um sich einer Gruppe anzupassen. Oder ihr Wissen über Fernsehserien, aktuelle Komiker oder YouTube-Videos zu zeigen.

Und was sagt das über uns Menschen aus? Der Mensch will dazugehören. Und mit der Sprache präsentieren wir uns vor anderen. Wir können uns anderen anpassen, ohne uns wirklich anzupassen. Wir zeigen nur, was wir wollen. So kann es gefährlich sein, von der Sprache auf den Charakter oder gar die Intelligenz eines Menschen zu schliessen. Man weiss nie, was wirklich dahintersteckt.