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SPRACHE: Perfektes Englisch überall

Englisch ist die Lingua franca der globalisierten Moderne. Doch mit der Digitalisierung könnten sich neue Weltsprachen herausbilden: Programmiersprachen.
Adrian Lobe
Der Youtuber PewDiePie wird millionenfach aufgerufen, auch weil er in perfektem Englisch spricht. (Bild: J. Countess/Getty (29. Oktober 2015))

Der Youtuber PewDiePie wird millionenfach aufgerufen, auch weil er in perfektem Englisch spricht. (Bild: J. Countess/Getty (29. Oktober 2015))

Adrian Lobe

PewDiePie ist der bestbezahlte Youtuber. 2017 verdiente er zwölf Millionen Dollar mit Werbung. Obwohl ihm Disney Anfang des Jahres wegen rassistischer Äusserungen den Vertrag kündigte, ist seine Popularität ungebrochen. Sein Youtube-Kanal zählt über 60 Millionen Abonnenten. Das liegt auch daran, dass PewDiePie, der mit bürgerlichem Namen Felix Arvid Ulf Kjellberg heisst und aus Göteborg in Schweden stammt, ein perfektes Englisch mit amerikanischem Einschlag spricht.

Englisch ist die lingua franca der globalisierten Moderne. Konferenzen werden in der Sprache abgehalten, Bücher und wissenschaftliche Aufsätze abgefasst. Rund 400 Millionen Menschen sprechen Englisch als Muttersprache, weitere 400 Millionen als zweite Sprache. Hinzu kommen 600 bis 700 Millionen Menschen, die Englisch als Fremdsprache erlernen. Laut dem British Council könnte die Zahl der Englisch-Sprecher bis 2020 auf zwei Milliarden anwachsen. Englisch ist in fast 50 Staaten offizielle Amtssprache, von Antigua in der Karibik bis Tonga in Ozeanien, dazu in über einem Dutzend Ländern Verkehrssprache.

Grossbritannien nur auf Platz sechs

In der Liste der grössten englischsprachigen Bevölkerung folgt der USA nicht etwa Grossbritannien, sondern Indien (125 Millionen Sprecher), Pakistan (94 Millionen Sprecher), die Philippinen (90 Millionen Sprecher) und Nigeria (79 Millionen). Das Vereinigte Königreich rangiert mit knapp 60 Millionen Sprechern auf Platz 6. Zwar sprechen lediglich 37000 Filipinos Englisch als Muttersprache, doch beherrschen 92 Prozent der Bevölkerung die Sprache. Sie sprechen die Sprache fast akzentfrei, weshalb mehr als eine Million Filipinos in Callcentern arbeitet. Wer in New York die Hotline eines Möbelhauses anruft, landet in Manila.

In Indien, wo es in den ein­zelnen Bundesstaaten über 20 Amtssprachen gibt und mit über 100 gesprochenen Sprachen ein babylonisches Sprachgewirr herrscht, spielt Englisch aufgrund der Kolonialvergangenheit als wichtigste Amtssprache ne­ben Hindi eine zentrale Rolle im Alltag der Menschen. Englisch ist inzwischen so alltäglich, dass lokale Dialekte für eine Fremdsprache im eigenen Land gehalten werden.

Dabei hat sich über die Jahre ein neuer Idiom entwickelt: Hing­lish, ein Hybrid aus Hindi, einer indoarischen Sprache mit über 420 Millionen Sprechern, und Englisch. Die Sprache ist sehr bildhaft und salopp: Für einen Haarkranz verwendet man etwa die Bezeichnung «stadium» (für Stadion), weil die kahle Fläche wie ein Spielfeld anmutet. Und statt «headache» für Kopfschmerzen sagt man etwas umständlich «head is paining». In die englischen Begriffe werden Versatzstücke aus Hindi eingestreut. Auch Wortneuschöpfungen gibt es: «glassy» bedeutet auf Hinglish durstig, «filmi» glamourös. Wo Hindi als verstaubt und orthodox gilt, klingt Hinglish modisch und hip. Längst hat auch die Werbung den Nutzen von Hing­lish erkannt. Amazon hat sei­-­ nem Netzwerklautsprecher Echo Hing­lish als Standardsprache beigebracht: Der virtuelle Assistent Alexa beantwortet Sprachbefehle mit einem unverkennbaren indischen Akzent.

Auch in Singapur hat sich das Nebeneinander von vier Staatssprachen – Englisch, Malay, Mandarin und Tamil – zu einer spielerischen Mischform verdichtet: Singlish. Konjugationsformen wie «I say» (ich sage) werden zu «Aiseh» zusammengezogen. Der lokale Dialekt hat es sogar ins Oxford Dictionary geschafft.

Emojis als neue Weltsprache

Doch werden in der Digitalmoderne, in der Emojis zur neuen Weltsprache («Der Spiegel») avancieren, Fremdsprachenkenntnisse noch gebraucht? Emojis sind universell verständlich, ein Indio versteht sie genauso wie ein Chinese. Der Internettelefoniedienst Skype hat 2014 einen automatisierten Dolmetscher entwickelt, der Konversationen simultan übersetzt. Begrüsst der japanische Gastgeber am anderen Ende der Leitung mit «Konichiwa», übersetzt der künstlich intelligente Dolmetscher mit «Hallo». Apples Spracherkennung Siri, die inzwischen auch Hinglish lernt, beherrscht allein über 30 Sprachen, darunter Finnisch, Schweizerdeutsch und verschiedene arabische Dialekte. Die neue Weltsprache sind Programmier­sprachen.

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