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Songs zum Alleinhören

Bon Iver, der grosse traurige Mann des Indie-Folks, hat die Melancholie nach zwölf Jahren hinter sich gelassen. Statt Streicher-Sets gibt es krachende Experimente.
Michael Gasser
Justin Vernon alias Bon Iver ist ein Musiker der schüchternen Sorte und ein Langsamarbeiter. Für sein neues Werk hat der US-Amerikaner gleich fünf Jahre benötigt. (Bild: Cameron Wittig, Crystal Quinn)

Justin Vernon alias Bon Iver ist ein Musiker der schüchternen Sorte und ein Langsamarbeiter. Für sein neues Werk hat der US-Amerikaner gleich fünf Jahre benötigt. (Bild: Cameron Wittig, Crystal Quinn)

Justin Vernon scheut sich nicht vor radikalen Schritten. Anlässlich des Débuts seines Singer-Songwriter-Projekts Bon Iver, «For Emma, Forever Ago», zog er sich in seine Heimatstadt Eau Claire, Wisconsin, zurück. Um allein zu sein und um sich in einer abgelegenen Jagdhütte vom Pfeiffer'schen Drüsenfieber zu erholen. Dort spielte er akustische Flüsterweisen ein, die im Falsett von verlorener Liebe und der eigenen Mittelmässigkeit erzählen. Das 2007 erschienene Œuvre entpuppte sich als Überraschungshit und liess Vernon schlagartig zum Helden des Indie-Folks aufsteigen.

Sein Nachfolgewerk mit dem schlichten Titel «Bon Iver» (2011) hielt an der alles durchdringenden Melancholie fest, distanzierte sich jedoch vom intimen Setting des Erstlings und bevorzugte Streicher, flächige Synthesizer und dichte Bläsersätze. Jetzt reisst Vernon das Ruder erneut herum.

Gegenüber der Tageszeitung «USA Today» sagte der Musiker, für seine dritte Platte, «22, A Million», sei es notwendig gewesen, Früheres zu zerstören. Sein älteres Material habe sich nach Trauerverarbeitung angehört, so der 35-Jährige. Damit soll nun Schluss sein.

Eine Stimme wie ein aufgeschrecktes Tier

Ganz aus seiner Haut kann Vernon aber nicht: Die zehn Songs mit so wunderlichen Titeln wie «715 – CR??KS» oder «29 #Strafford APTS» offenbaren unverändert düstere Seiten; gleichzeitig klingt der Musiker aufgekratzt. Seine Stimme erinnert an ein verschüchtertes Tier, das immer wieder mal aufgescheucht wird und sich darüber in höchsten Tönen beschwert. Überdies hat Vernon ein Faible für krachende Momente, entwickelt Experimentelles und zeigt sogar Ansätze zum Bombast.

Die Platte beginnt mit durch den Computer gejagten Vocals sowie der Feststellung, dass «alles bald vorüber sein könnte». Doch ganz so schnell gibt Vernon natürlich nicht auf und lässt ein Stück folgen, dessen Rhythmen ebenso muskulös wie lärmend vorankugeln und den elektronisch verfremdeten Gesang des Künstlers schier erdrücken. Und obschon das Lied, das ein Sample von Fleetwood-Mac-Sängerin Stevie Nicks enthält, keinen Schönklang anstrebt, weiss es zu bezirzen: Weil die Emotionen rauh und unverblümt bleiben.

Besser zuerst alleine anhören

Vernon alias Bon Iver ist sich bewusst, dass sein neues Material eher sperrig als eingängig ist. Deshalb empfiehlt er, den Tracks an einem Ort zu lauschen, an dem man allein ist. Bei einer Pressekonferenz sagte er: «Musik dient generell der Selbstfindung.»

Bei Bon Iver ist diese Faustregel oberstes Gebot. Allerdings kommt er in seinen Songs zum Schluss, dass man nicht alles zu verstehen braucht. Dementsprechend versöhnt er sich auf «22, A Million» nun Stück für Stück mit seiner Vergangenheit. Das führt dazu, dass die Platte gelassen enden kann. Mit der schlichten Pianoballade «00000 Million» und der Erkenntnis: «Ich sorge mich um Schande und um gängige Pfade/Und ich wandere umher, bloss um wieder heimzukehren.» Dies der Schluss eines starken Albums. Ein Schluss, der beweist, dass Bon Iver auch mit seiner Musik im Reinen ist.

Bon Iver: «22, A Million» (Jagjaguwar/Irascible). Das Album erscheint heute Freitag.

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