Sonde mit Frauenfelder Herz

An Bord des Forschungsroboters Philae, welcher gestern endlich auf dem Kometen landete, befanden sich auch Thurgauer Teile.

Aylin Erol
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An Bord des Forschungsroboters Philae, welcher gestern endlich auf dem Kometen landete, befanden sich auch Thurgauer Teile. SAW-Bauteile (Surface Acoustic Waves) und die dazugehörige Elektronikplatine, welche die Firma Baumer Electric herstellten, befinden sich jetzt mehr als 500 Millionen Kilometer von der Erde entfernt. Die Frauenfelder Firma ist am Mikrowellen-Experiment Miro beteiligt, mit dem die Zusammensetzung der Gashülle des Kometen bestimmt werden soll.

«Wir sind sehr stolz darauf, dass wir einen Beitrag leisten konnten. Wir helfen mit herauszufinden, wie der Urknall und unser Sonnensystem entstanden sind», sagt Stefan Diepenbrock, Mediensprecher bei Baumer. Dabei arbeitete die Firma eng mit dem Max-Planck-Institut für Aeronomie in Göttingen zusammen. Das Herzstück des Spektrometers, welcher das Mikrowellen-Experiment durchführt, kommt von Baumer. «Unsere Komponenten sind elektroakustische Wandler, die elektromagnetische Wellen empfangen und anschliessend wieder aussenden», sagt Diepenbrock.

Eigentlich stellt die in Frauenfeld gegründete Firma Sensoren für die Fabrik- und Prozessautomatisierung her. Die Raumfahrt sah Baumer nie als wirtschaftlich interessanten Markt an.

«Damit die Elektronik auch den speziellen Bedingungen im Weltraum gewachsen ist, wurde grossen Wert auf Genauigkeit und Sauberkeit gelegt», sagt Diepenbrock. In speziellen Kursen für Raum und Luftfahrttechnologie, die von der Raumfahrtbehörde ESA gefordert wurden, vermittelte man damals vor mehr als zehn Jahren das nötige Fachwissen. «Auch wenn wir die SAW-Technologie heute nicht mehr einsetzen, konnten wir viel aus dem Projekt lernen», sagt Diepenbrock. Die Firma könne die Erfahrungen für andere Produkte verwenden, die ebenfalls harten Umweltbedingungen ausgesetzt seien.

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