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SOMMERSERIE: Im Bann der Zauberkästen

Tine und Jurek Edel teilen die Begeisterung für Fotoapparate. Während seine Mutter alte Geräte und Entwicklungsverfahren künstlerisch auslotet, hat sich Jurek aufs Filmen verlegt.
Bettina Kugler
Der Jungfilmer Jurek Edel und seine Mutter, Fotokünstlerin und Theaterfotografin Tine Edel. (Bild: Ralph Ribi)

Der Jungfilmer Jurek Edel und seine Mutter, Fotokünstlerin und Theaterfotografin Tine Edel. (Bild: Ralph Ribi)

Bettina Kugler

bettina.kugler@tagblatt.ch

Ihr «Hexenbuch» ist ein gut gehüteter Schatz: ein dickes Heft in Kleinformat, in dem die Theaterfotografin und Fotokünstlerin Tine Edel alle praktischen Kniffe sowie die Rezepturen für die Entwicklungsverfahren in der Dunkelkammer notiert hat. «Dieses Büchlein ist mir heilig», sagt sie lächelnd. Dass sich ihr Sohn daran vergreifen, dass es bei ihm verschwinden könnte, muss sie nicht befürchten. «Er braucht das nicht», sagt sie, «und wenn, dann könnte er mich jederzeit fragen.»

Doch Jurek winkt ab: «Analoges ist nichts für mich.» Während seine Mutter an den «alten Kästen» hängt, ist der Siebzehnjährige gern auf dem neuesten Stand; das dafür nötige Wissen eignet er sich über Tutorials im Internet an. Selten aber verlässt er das Haus, ohne die «Knipse» mitzunehmen: einen kleinen Fotoapparat mit Film. Manchmal vergeht ein halbes Jahr, bis er diesen endlich zum Entwickeln schicken kann. Ein seltsames Gefühl sei es dann, die Bilder zu sehen und sich an Dinge zu erinnern, die schon so weit zurückliegen. Nächtelang in der Dunkelkammer zu sitzen, wie seine Mutter es für ihre künstlerischen Arbeiten oft tut – dazu hätte Jurek nicht die Zeit. «Den Kids fehlt dafür auch die Geduld, das Durchhaltevermögen», sagt Tine Edel.

Bewegte Bilder – und die Magie der Dunkelkammer

Sie selbst liebt es, völlig einzutauchen in diese Arbeit, nicht mehr zu merken, wie die Zeit vergeht. Bis zum fast mystischen Moment, in dem das Bild erscheint: ein Wow-Effekt. «Das ist wie eine Performance ganz für mich allein. Wenn die Abzüge gemacht sind, in einer Ausstellung hängen, ist es längst vorbei.» Immer noch kann sie kindlich staunen über das simple physikalische Prinzip der Fotografie: Licht fällt auf ein Objekt, wird eingefangen und zum Bild. Riesige Datenmengen hingegen machen ihr Stress. «All diese Bilder, die mit Handys gemacht werden und auf einer ­digitalen Cloud liegen, sind gar nicht richtig da.» Auch Jurek macht gern Prints. «Das ist ein Zeichen von Wertigkeit.»

In Sachen Film und Schnitttechnik hat er seiner Mutter gegenüber einen klaren Vorsprung. Seit er denken kann, haben ihn bewegte Bilder – und die Apparate, mit denen man sie einfangen kann – magisch angezogen. Mit dem Camcorder filmte er beim Spielen im Kinderzimmer. «Wir haben kleine Kriminalfilme gedreht, später auch Musikvideos, zum Beispiel zum Song ‹Let it be›», erinnert er sich. Tine Edel musste nichts forcieren. Die Faszination der Geräte genügte, «und das Zeug war eben da», sagt sie. Für die jüngere Tochter sei es oft schwierig, ihre Nische zu finden. «Sie kriegt die Krise, wenn wir anfangen, über Kameras zu reden.» Und Schauspieler Marcus Schäfer als Familienvater schüttelt oft den Kopf über die Technikversessenheit. «Er findet immer, es komme doch viel mehr auf Inhalte an.» Verschwörerisches Lachen.

Unterdessen besucht Jurek die Grafikfachklasse an der ­Schule für Gestaltung, an der seine Mutter auch einen Lehrauftrag für Fotografie hat. Sie selbst hat noch eine vollumfängliche Berufslehre gemacht. «Diese Ausbildung ist von der Bildfläche verschwunden.» Dennoch vertraut sie darauf, dass Jurek seinen Weg machen, seine Bestimmung finden wird. Als Fotograf und ­Filmer hatte er bereits einige ­Aufträge; zuletzt drehte er Clips für das Kulturareal Lattich am Güterbahnhof. Im letzten Sommer filmte er auf einem italienischen Markt, fing unauffällig kleine Szenen und Porträts ein, immer im richtigen Moment mit der Kamera dabei. «Das Medium lässt beides zu: künstlerischen Ausdruck und Broterwerb», sagt Tine Edel, «das erdet auch immer wieder.»

Mit freier Fotografie würde sie nicht genug verdienen, das Atelier kann ein einsamer Ort sein. Umso schöner, zu Hause am Küchentisch mit Jurek fachsimpeln zu können.

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