SOMMERFERIEN: Reif für die Inseln

Die spanischen Inseln sind die beliebtesten Reiseziele von Schweizer Familien. Die Türkei muss bei Familien einen weiteren Rückgang verkraften. Sicherheit spielt bei der Reiseplanung eine entscheidende Rolle.

Stefan Borkert
Drucken
Teilen
Am liebsten machen Schweizer den «Köpfler» ins Mittelmeer. (Bild: Michael Blann/Getty)

Am liebsten machen Schweizer den «Köpfler» ins Mittelmeer. (Bild: Michael Blann/Getty)

Stefan Borkert

Sicherheit geht vor, wenn es um Reisen, vor allem Familienreisen in den Sommerferien, geht. Das bestätigt der Schweizer Reise-Verband (SRV) in einer Umfrage zum Sommergeschäft. Die geopolitische Situation beeinflusst auch das Buchungsverhalten. Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Sprecherin von Hotelplan Suisse, sagt: «Wegen der Terroranschläge stellen wir fest, dass vermehrt in Reisebüros gebucht wird.» Das bestätigt auch SRV-Geschäftsführer Walter Kunz: «Für Buchungen wird heute wieder vermehrt das Reisebüro aufgesucht, da sich die Kunden da in sicheren Händen wissen. Zudem stellen wir fest, dass die Konsumenten aufgrund der aktuellen Lage entweder sehr früh oder dann sehr kurzfristig buchen.» Das sieht man auch bei Hotelplan Suisse so: «Nachdem es Herrn und Frau Schweizer aufgrund verschiedener Terroranschläge im letzten Jahr nur zögerlich in die Ferien zog, buchten Kunden dieses Jahr frühzeitiger», so Huguenin-dit-Lenoir. Das ist auch beim Onlineportal Holidaycheck festgestellt worden: «Während Holidaycheck-Kunden ihre Pauschalreisen im vergangenen Jahr im Schnitt etwa drei Monate vor Abreise buchten, hat sich dieser Zeitraum 2017 verlängert.» Das sei unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Urlauber um die starke Nachfrage nach beliebten Zielen wie Spanien, Griechenland und Kroatien wissen, gibt Lena Mildner, Pressesprecherin von Holidaycheck, Auskunft.

Sommerferien sind Badeferien

Strand, Sonne, Meer und alle viere von sich strecken ist nach wie vor das Motto der meisten Ferienhungrigen. Gordana Mrsic von Kuoni Reisen erklärt: «Sommerferien bedeutet für viele Badeferien am Strand, besonders im Zusammenhang zu den dieses Jahr boomenden Destinationen am westlichen Mittelmeer und Atlantik.» Daneben seien auch Kreuzfahrten und wegen günstiger Flugpreise Fernreisen sehr gefragt.

Die beliebtesten Feriendestinationen für Familien sind schon seit Jahren Menorca, Mallorca, Kreta, die Kanaren und Zypern. Das stellen verschiedene Reiseveranstalter unisono fest. «Auf diesen Inseln gibt es besonders viele familienfreundliche Hotels mit abwechslungsreicher Unterhaltung, speziellem Serviceangebot für die ganze Familie und ein besonders auf die Kinder abgestimmtes Angebot an Aktivitäten», heisst es bei Kuoni Reisen. Und auch eine Umfrage des SRV bestätigt: «Die bei den Schweizern beliebtesten Sommerdestinationen 2017 sind die spanischen und die griechischen Inseln, Zypern sowie auch Portugal, Kroatien und Italien.» TUI-Suisse-Sprecherin Bianca Schmid doppelt nach: «Das beliebteste Ferienziel ist mit grossem Abstand Mallorca. Mit flachen Stränden, kurzer Anreise und einer Vielfalt vom Fischerdorf über den Touristenort bis hin zur Mittelmeermetropole Palma bietet Mallorca für jeden etwas.» Ausserdem seien auch griechische Inseln wie Kreta, Kos und Rhodos sehr beliebt bei Familien. Viele Familien, vor allem jene mit etwas grösseren Kindern, würden ihre Sommerferien aber auch etwas weiter weg verbringen und reisten beispielsweise in die USA oder nach Thailand, wo es auch für Teenager sehr viel zu erleben gebe, ergänzt Mrsic von Kuoni Reisen und bestätigt einen Trend, der auch bei Hotelplan Suisse aufgefallen ist. «In den vergangenen Jahren konnten wir zahlreiche Familien für Kreuzfahrten gewinnen. Die Reedereien bieten sehr attraktive Preise für Kinder an.» Huguenin-dit-Lenoir ergänzt: «Kreuzfahrten boomen.» Das Klischee, dass nur Pensionäre auf Kreuzfahrt gehen, stimme nicht mehr.

Eine der grossen Verliererinnen bei den Ferienzielen ist die Türkei. «Teilweise deutlich weniger Nachfrage gegenüber 2016 vermelden die Veranstalter für die Türkei», schreibt der SRV in einem Communiqué.Nach einem starken Rückgang im letzten Jahr stellt man bei Hotelplan Suisse ebenfalls eine weitere Abkehr von der Türkei fest. Huguenin-dit-Lenoir spricht von einem Rückgang von 34 Prozent gegenüber 2016. Und bei Holidaycheck heisst es, dass besonders Familien die Türkei als Reiseziel aktiv vermeiden. Dennoch kann man das Land als Feriendestination nicht abschreiben. Die Türkei-Buchungen lägen zwar weiter hinter den einstigen Spitzenwerten, dennoch belege die Südtürkei bei TUI Suisse den fünften Platz auf der Liste der beliebtesten Reiseziele, kommentiert Sprecherin Schmidt.

Klimabewusstsein nimmt zu

Bei Reisen wächst unterdessen das Umweltbewusstsein. Seit zehn Jahren arbeitet Hotelplan Suisse mit der Stiftung Myclimate zusammen und bietet so die Möglichkeit, CO2-Emissionen zu kompensieren. Demnach kompensierten letztes Jahr Kunden von Hotelplan ­Suisse insgesamt 13024,6 Tonnen CO2. Das sind 1889 Tonnen mehr als noch im Jahr davor und entspricht damit einer Steigerung von 17 Prozent. Seit 2007 wurden nach Unternehmensangaben rund 68000 Tonnen CO2 via Hotelplan ­Suisse kompensiert. Das entspricht ­ungefähr 181000 Flügen von Zürich nach London und zurück.