SKANDAL: St. Galler entlarvt NHL-Star

Dem deutschen Eishockey-Nationaltorhüter Thomas Greiss gefiel auf Instagram ein Vergleich zwischen Hitler und Clinton. Der Sekretär der Stadtsanktgaller SP macht darauf aufmerksam – und setzt eine internationale Kontroverse in Gang.

Michael Genova
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Eishockey-Profi Thomas Greiss hat sich für zweifelhafte Instagram-Beiträge entschuldigt. Bild: EQ Images (Bild: Osnapix (pixathlon))

Eishockey-Profi Thomas Greiss hat sich für zweifelhafte Instagram-Beiträge entschuldigt. Bild: EQ Images (Bild: Osnapix (pixathlon))

Als Daniel Hungerbühler vor einer Woche auf Twitter eine Nachricht veröffentlichte, konnte er nicht ahnen, dass er damit eine Lawine auslösen würde. «Thomas Greiss scheinen Hitler-Hillary-Vergleiche zu gefallen», schrieb er auf Englisch. Dem St. Galler war aufgefallen, dass der deutsche Eishockey-Nationaltorhüter und NHL-Star Greiss auf Instagram mehrere zweifelhafte Bilder mit «Gefällt mir» markiert hatte.

Ein Bild zeigt Hitler mit dem Kommentar: «Nie verhaftet, nie verurteilt, genauso unschuldig wie Hillary.» Auf einem anderen ist Trump als Gladiator zu sehen, mit einem Schwert in der einen und Clintons abgeschlagenem Kopf in der anderen Hand. Oder das Bild eines T-Shirts mit dem Schriftzug: «Waffen bringen keine Menschen um, Clintons schon.» Greiss spielt in der NHL bei den New York Islanders und gab mit den «Likes» offenbar seiner politischen Gesinnung Ausdruck.

Deutsche Medien greifen den Fall auf

Daniel Hungerbühler ist Politischer Sekretär der SP der Stadt St. Gallen und seit mehreren Jahren Fan der New York Islanders. Deshalb folgt er auf Instagram Thomas Greiss und sah nur zufällig, welche Bilder dem Goalie gefielen. Über das Hitlerbild sagt Hungerbühler: «Solche Vergleiche sind eine Verharmlosung der Geschichte.» Als Goalie der deutschen Nationalmannschaft habe Greiss eine Vorbildfunktion.

Nach Hungerbühlers erstem Tweet ging alles sehr schnell. Ein Sportreporter der kanadischen Zeitung «Toronto Star» verbreitete den Beitrag an seine 135000 Follower. So wurden Fans und US-amerikanische Medien darauf aufmerksam. Auch deutsche Medien nahmen vom Fall Notiz. Hungerbühlers Screenshots der zweifelhaften Beiträge tauchten auf mehreren Nachrichtenportalen auf, so etwa auf der Website des Deutschlandfunk. «Mein Beitrag ging schnell viral», sagt Hungerbühler. Über 16000 Menschen hat er damit laut Statistik bislang erreicht. Er nimmt an, dass sein Tweet den Ursprung der Debatte bildet. Ganz genau könne man es aber im Rückblick nicht mehr nachvollziehen.

Verband droht mit Olympia-Ausschluss

In Deutschland haben sich inzwischen auch die Verbände mit dem Fall beschäftigt. Der Deutsche Olympische Sportbund drohte, Greiss im Wiederholungsfall eine Olympianominierung für die Winterspiele 2018 in Südkorea zu verweigern. «Wer so agiert oder kommuniziert, kann nicht Teammitglied in Pyeongchang sein», teilte Präsident Alfons Hörmann mit. Deutlich zurückhaltender äusserte sich zuerst der Deutsche Eishockeybund. Er sei als Verband politisch neutral und masse sich als öffentliche Institution nicht an, die Meinungsfreiheit der Spieler zu beeinflussen. Erst an einer Pressekonferenz am Freitagabend fand Vizepräsident Marc Hindelang deutlichere Worte: «Grundsätzlich ist Hitler ein No-Go. Das ist ganz klar», sagte er. Rein sportlich werde es jedoch keine Konsequenzen geben. Greiss werde weiter im Kader bleiben und nicht suspendiert. Der NHL-Goalie hat seine Likes mittlerweile zurückgezogen und sich dafür entschuldigt. Die New York Islander kündigten an, den Fall intern weiter zu untersuchen.

Etwas erstaunt ist Daniel Hungerbühler schon über das internationale Interesse. «Im Zeitalter von Social Media braucht es manchmal wenig, um etwas in Bewegung zu setzen.» Nicht allen gefällt dies. Trump-Anhänger und verärgerte Fans greifen ihn wegen seiner Enthüllung an – teils weit unter der Gürtellinie. Hungerbühler nimmt’s gelassen. «Man darf darauf einfach nicht reagieren.»

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