SIEDLUNG: Schon eine alte Badewanne hilft

Naturnahe Gewässer sind auch in Siedlungsgebieten wichtig für Menschen, Tiere und Pflanzen. Renaturierungen, Tümpel und Feuchtbiotope sind auch dort möglich. Birdlife gibt Anweisungen.

Bruno Knellwolf
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Naturnah gestaltetes Paradies in einer Siedlung. (Bild: Beni Herzog/Birdlife)

Naturnah gestaltetes Paradies in einer Siedlung. (Bild: Beni Herzog/Birdlife)

Ohne Wasser kein Leben. Dementsprechend bieten die immer öfter zu sehenden Steinwüsten in den verdichteten Siedlungsgebieten wenig Spielraum für Pflanzen und Tiere. Doch gerade im Siedlungsraum leisten Gewässer wichtige Dienste, schreibt Bird­life Schweiz. «Naturnahe Gewässer», betont Eva Inderwildi. Naturnah gestaltete Teiche, Biotope, Tümpel, Bäche, Flüsse und Seeufer. «Je naturnaher das Gewässer, desto mehr Tiere und Pflanzen finden darin einen Lebensraum. Wichtig ist, dass es Bereiche hat, die störungsfrei sind. Wo Tiere brüten können und Pflanzen nicht zertrampelt werden.» Dann sei eine Vielfalt möglich, sagt Inderwildi.

Das Wasser hat zudem weitere Funktionen. Denn fast alle Siedlungen beziehen ihr Trinkwasser aus Grund-, Quell- oder Seewasser. Zur Speisung von Grundwasser sind naturnahe Gewässer nötig, aus denen das Wasser über eine durchlässige Schicht ins Grundwasser gelangt. Dabei wird das Wasser durch Organismen gereinigt, welche organische Verschmutzungen abbauen. Je naturnaher ein Gewässer ist, umso besser funktioniert dieser Vorgang.

Zudem bieten Siedlungsflächen, die nicht verdichtet sind, auch Schutz vor Hochwasserspitzen. In Feuchtwiesen wird das Wasser bei Starkniederschlägen zurückgehalten, und auch im Siedlungsgebiet selbst werden die Spitzen in naturnah gestalteten Lebensräumen gebrochen. Das ist möglich, wenn man das Regenwasser versickern lässt.

Rund die Hälfte der einheimischen Tier- und Pflanzenarten der Schweiz ist auf naturnahe Gewässer angewiesen. Diese Einsicht hat sich inzwischen breit durchgesetzt. Renaturierungen von eingedolten Bachläufen werden oft gemacht. «Das geht in die richtige Richtung», sagt Inderwildi. Trotzdem fehlt es an vielen Orten noch an der Vernetzung der naturnah gestalteten Lebensräume. Nur an zusammenhängenden Bach- oder Seeufern können Tiere und Pflanzen wandern.

Zwar werden Bäche und Ufer renaturiert. Allerdings ist die Verdichtung das Gebot der Stunde in der Raumplanung. Hat es in solch engen Siedlungen noch Platz für naturnahe Gewässer? Ja schon, sagt Inderwildi. Allerdings müssten diese vorgängig genau geplant werden. Ist die Siedlung gebaut, sei das oft nicht mehr möglich. Von einer naturnahen Gestaltung in einer verdichteten Siedlung profitierten nicht nur Tiere und Pflanzen, sondern auch der Mensch, der dort wohnt.

Was kann der Hausbesitzer tun? Eine alte Badewanne aufstellen zum Beispiel, einen Tümpel ausheben oder gar einen Teich. «Dieser darf allerdings nicht zur Amphibienfalle werden», sagt Inderwildi. Gleich neben einer vielbefahrenen Strasse mache das wenig Sinn. Aber vielleicht lässt sich das Dachwasser in den Garten leiten, Ideen gibt es viele. Zu sehen sind diese in der neuen Broschüre «Wasser im Siedlungsraum», die bei Birdlife Schweiz bestellt werden kann.