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Sie – allein unterwegs

Ein Reisebüro für Frauen und Seminare für weibliche Reisende, die ohne Begleitung, aber mit Rucksack in die Ferne aufbrechen: Die Zeiten, in denen Frauen nur mit Mann die Welt erkundet haben, sind vorbei.
Diana Bula
Sie schippert übers Meer, er ist daheim geblieben: Frau allein auf Reisen. (Bild: fotolia)

Sie schippert übers Meer, er ist daheim geblieben: Frau allein auf Reisen. (Bild: fotolia)

Zwölf Wochen, Costa Rica, Panama, Kolumbien, Ecuador und Galápagos zum Abschluss. Am 11. Oktober zieht sie los – ohne Begleitung. «Mein Freund ist ein ganz anderer Reisetyp als ich. Er entspannt sich gerne zwei Wochen in einem Hotel, ich schnalle lieber den Rucksack an und erkunde die Welt», sagt die 27jährige Rheintalerin.

Weil der Mann nicht mitkommen will, auf eine Reise verzichten, von der man schon lange träumt: Das taten Frauen vielleicht noch vor zwanzig, dreissig Jahren. Heute ziehen viele allein los, ohne schlechtes Gewissen, den Liebsten zum Mitkommen überredet zu haben. Und ohne den Zwang, unterwegs ihm zuliebe Kompromisse machen zu müssen.

Sie will mehr

Dass Männer und Frauen verschiedene Reisebedürfnisse haben, bestätigt Sonja Müller Lang, die in Zürich ein Reisebüro für Frauen führt. «Während Männern eine Stadtbesichtigung oft genügt, wollen Frauen mehr. Sie besuchen den Markt, suchen den Kontakt zu Einheimischen, erholen sich im Hamam oder kehren in versteckten Cafés ein.» 1994 hat Müller das Reisebüro Women Travel gegründet. «Ich störte mich damals daran, dass Frauen vom Reisen schwärmten, letztlich aber nicht aufbrachen.» Sie stellte eine Reise nach Malaysia zusammen, schrieb sie aus – «und, päng, lagen 25 Anmeldungen vor». Von Jahr zu Jahr nehme die Anzahl Buchungen seither zu. «Die Zeiten, in denen man die Hände verworfen hat und sich Sorgen machte, wenn eine Frau allein eine Reise tat, sind vorbei. Frauen sind heute auch in diesem Bereich selbständig.»

Den Tisch am Fenster, bitte!

Zu Müllers Kundinnen zählen hauptsächlich Frauen über 30 Jahren. Sie verreisen zwar ohne Mann (ein Reisemuffel), ohne Freundin (keine Zeit) oder andere Bekannte (sie haben auf ein neues Haus gespart statt auf eine Reise). Ganz allein unterwegs zu sein, das liegt ihnen aber doch nicht. Die Zwischenlösung: eine Gruppenreise. Weil der letzte Funken Mut fehlt, um ohne Begleitung loszuziehen oder weil sie den Austausch («lueg, wiä schön!») vermissen würden. Vielleicht graut ihnen auch davor, abends allein im Restaurant zu sitzen und den Eindruck zu erwecken, keine Freunde zu haben. Und was, wenn die Bedienung die Alleinreisende auch noch an einen Tisch zwischen Toilette und Küche verfrachtet? «Das geschieht nach wie vor», sagt Müller und rät: «Man sollte in solchen Situationen nach dem Platz am Fenster verlangen – bestimmt, aber mit weiblichem Charme.»

Es gibt auch das Gegenteil: Hotels, die Frauenzimmer anbieten. Diese liegen in einem Trakt, in dem nur weibliche Gäste unterkommen und der nur von weiblichen Angestellten unterhalten wird. Der Korridor ist gut ausgeleuchtet und videoüberwacht. Müller: «Der Sicherheitsaspekt ist vielen allein reisenden Frauen wichtig. Und auch an die Infrastruktur haben sie andere Erwartungen als Männer.» Stichwort Bad: Geräumig sowie sauber muss es sein. Sonst hagle es schon mal Reklamationen.

Welches Land?

Doch organisierte Reisen sind nicht jedermanns Sache, schon gar nicht jene von Felicia Hargarten. Mit zwanzig unternahm die Berlinerin ihre erste «Selbstreise». Unterdessen kennt sie jeden Kontinent, ist mehrere Monate pro Jahr unterwegs, verdient ihr Geld als Bloggerin – respektive mit Werbung auf ihrem Blog Travelicia, den sie von unterwegs betreibt. Auf der Website gibt sie Tips für Trips. Ihr neustes Projekt: Seminare für Frauen, die allein mit dem Rucksack durch die Welt ziehen wollen.

Die Teilnehmerinnen haben viele Fragen: Was muss ins Gepäck? Was tun bei Heimweh? Welche Länder eignen sich für allein reisende Frauen? «Laos und Kambodscha», antwortet Hargarten jeweils. «Dort sind viele Backpacker unterwegs, man findet rasch Anschluss.» Auch die thailändischen Inseln bieten sich an. Doch da gibt es grosse Unterschiede, die Globetrotterin kennt sie: «Wer sich allein auf Ko Samui niederlässt, vereinsamt zwischen Pärchen. Auf Ko Pha-ngan findet man eher Gleichgesinnte.» Treffen sie aufeinander, heisst es: Wo kommst du her? Wie lange bleibst du? Wohin reist du als nächstes? Geht die Reise weiter, beginnt das Fragespiel von vorne. Dass man nach ein paar Wochen die Nase voll hat vom Backpacker-Smalltalk, weiss die Deutsche aus Erfahrung. «Ich bleibe dann mal länger als nur ein paar Tage im gleichen Hostel. Die Gelegenheit, Kontakte zu vertiefen.»

Ring schützt vor Fragen

Zwei Seminare à 25 Plätze veranstaltete Hargarten im letzten halben Jahr. Und während sich einige Teilnehmerinnen überlegten, wie sie am schnellsten Bekanntschaften schliessen, dachten andere über die Gefahren nach. «Frauen sind auf Reisen unsicherer als Männer. Sie haben Angst, überfallen zu werden», sagt Hargarten. Sie selber wurde bisher nie beklaut, nie belästigt. Und fühlt sie sich doch mal unwohl, zieht sie ein Käppi an und versteckt ihr blondes Haar darunter. «Ich bin der Typ <sportlicher Kumpel>. Damit komme ich gut durch», sagt sie. Aufreizende Kleidung lasse man als Alleinreisende besser gleich daheim. Ein Ring hingegen sollte mit, auch wenn man nicht liiert ist. «In Indonesien etwa stellen die Einheimischen tausend Fragen, wenn man in meinem Alter nicht vergeben ist. Mit einem Ring am Finger kann man diese umgehen.»

Zwei Tüten und eine Kiste

Für den Notfall hängt eine Trillerpfeife an Hargartens Rucksack, im Gepäck steckt ein laminiertes Kärtchen mit ihren Koordinaten. «Mittlerweile habe ich aber ein gutes Bauchgefühl entwickelt, was als Frau allein möglich ist und was nicht.» Sagt sie am Telefon und steht schon wieder am Flughafen. Gran Canaria heisst das Ziel. Wenige Wochen später wird sie nach Südamerika fliegen, mit Freund diesmal. Zu Hause ist Hargarten nur noch selten. Das zeigt sich an Hab und Gut: Nebst dem Rucksack sind da nur zwei Ikea-Tüten und eine Kiste mit Fotos. Mehr braucht eine moderne Nomadin nicht.

Bücher, Homepages und Apps zum Thema

Literatur: Nina Sedano: Die Ländersammlerin, Eden Books 2014, 307 S., Fr. 24.90; Katrin Zita: Die Kunst, allein zu reisen, Goldegg 2014, 203 S., Fr. 32.90
Webseiten: www.travelicia.de: Reisetips der Berlinerin Felicia Hargarten, die auch Seminare für allein reisende Frauen veranstaltet – zusammen mit Reisebloggerin Carina Hermann (www.pinkcompass.de).
App: Backpackr. Hilft Reisekumpanen zu finden. (dbu)

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