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SEXUALITÄT: Ist das Baby da, ist der Sex weg

Ist das Baby auf der Welt, werden Momente der intimen Zweisamkeit bei den Eltern oft seltener. Warum gestaltet sich das Sexleben nach der Geburt so schwierig?
Sarah Coppola-Weber
80 Prozent der Paare geben an, auch Monate nach der Geburt des Kindes wenig oder gar keinen Sex zu haben. (Bild: Getty)

80 Prozent der Paare geben an, auch Monate nach der Geburt des Kindes wenig oder gar keinen Sex zu haben. (Bild: Getty)

Sarah Coppola-Weber

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@tagblatt.ch

Das Baby schläft endlich, die Geburt ist einige Monate her, das junge Paar liegt zusammen im Bett, aber es passiert – nichts. «Ich bin so erschöpft und ausgelaugt, dass ich glaube, meine Libido verloren zu haben», erzählt eine junge Mutter. «Ich fühle mich unter Druck, mit meinem Mann wieder Sex zu haben», ergänzt eine andere. Ähnlich tönt es von Seiten der Männer: «Sämtliche erogenen Zonen meiner Frau gehören unserem Kind», klagen die Väter. Es steht nicht gut um die Sexualität frischgebackener Eltern: Bei einer Befragung gaben 80 Prozent der Paare an, nach der Geburt nicht wieder die frühere Sexualität erlangt zu haben, sowohl in Bezug auf Häufigkeit wie auch auf Qualität

Es gibt einige handfeste körperliche Gründe, warum Frauen, die zu Müttern geworden sind, null Bock auf Sex haben. Etwa die hohe Anzahl an libidohemmenden Hormonen – wie etwa der durchs Stillen erhöhte Oxytocin- und Prolaktinspiegel, der die Lust mindert, oder der Östrogenmangel, der die Vaginalschleimhäute austrocknet. Für 85 Prozent der Frauen ist der erste Sex nach der Geburt laut einer australischen Studie aus dem Jahr 2015 schmerzhaft. Und auch nach einigen Monaten wird es nicht besser: Sechs Monate nach Entbindung haben fast ein Drittel aller Frauen selten oder gar keine sexuelle Befriedigung. Überhaupt braucht der weibliche Körper mindestens nochmals neun Monate, um sich auf den Nicht-Schwanger-Modus einzustellen.

Die Sexualorgane sind oft verändert – die Brüste durchs Stillen eher grösser und die Vagina fühlt sich bei vielen Frauen ebenfalls anders an. Zudem bekommen sie eine neue Bedeutung: Die Vagina als Geburtskanal, die Brüste als Nahrungsquelle. Jene erogenen Zonen, die vor der Geburt einzig dem Liebesspiel dienten, haben nun einen «praktischen» Nutzen und sind oft dem Kind vorenthalten. Der Bauch bleibt ebenfalls noch eine schöne Zeit lang schlaff und die Schwangerschaftspfunde purzeln nur langsam. Sich in diesem Zustand, gekoppelt mit permanenter Erschöpfung, noch sexuell begehrenswert zu fühlen, gelingt nur wenigen Frauen. Auch die Männer müssen das Geburtserlebnis verarbeiten, gleichzeitig aber «ihren Mann stehen» und die Familie versorgen. Eine verminderte Libido kann indes auch seelische Hintergründe haben: Die Frau muss sich in ihrer neuen Rolle als Mutter zuerst zurechtfinden – die Verbindung zum Neugeborenen ist intensiv und stellt alles andere in den Schatten, inklusive die Liebesbeziehung zum Partner.

Die beiden Zürcher Psychologinnen Christelle Benz und Valentina Anderegg sind derzeit dabei, eine Studie von 307 Schweizer Paaren auszuwerten. Ziel ist herauszufinden, inwieweit die Paarkompetenz von werdenden Eltern gestärkt werden kann, um den Übergang zum Elterndasein bestens zu meistern. (www.paarewerdeneltern.ch) «Kaum jemand spricht darüber, wie herausfordernd ein Kind für die Beziehung ist», sagte Valentina Anderegg kürzlich in einem Interview. Mangelnde Aufklärung sei meistens die Hauptursache für die Unzufriedenheit. «Wenn das Paar regelmässig ohne Kind etwas unternimmt, hat es schon viel für die Liebesbeziehung getan», sagt Anderegg.

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