Sensible Daumen und Leos Reichtum

Ich habe eine neue Aufgabe. Ich rette Leos Vermögen. Leo ist ein strubbeliger, behaarter Kopf mit Schnurrbart. Mehr ist nicht dran an dem Kerl. Er spricht ein very British English und beweist im Abschiedsbrief an seine Frau eine sehr distinguierte Ausdrucksweise.

Valeria Heintges
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Valeria Heintges)

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Ich habe eine neue Aufgabe. Ich rette Leos Vermögen. Leo ist ein strubbeliger, behaarter Kopf mit Schnurrbart. Mehr ist nicht dran an dem Kerl. Er spricht ein very British English und beweist im Abschiedsbrief an seine Frau eine sehr distinguierte Ausdrucksweise. Denn Leo ist bestohlen worden und versucht im Computerspiel «Leo's Fortune», seine Münzen wieder einzusammeln, die die Diebe in der Gegend verteilt haben. Ich muss ihm dabei helfen, mit dem linken Daumen auf dem Bildschirm das Tempo seiner Bewegungen bestimmen, und mit dem rechten den behaarten, beschnurrbarteten Kopf aufblasen, damit er springen kann.

Am Anfang gelingt das überhaupt nicht. Ständig fällt Leo in Höhlen oder wird – mit einem leisen Seufzen – von spitzen Zähnen aufgespiesst, weil der Daumen absolut nicht weiss, was ich von ihm will. Mittlerweile ist Leo schon um einige Münzen reicher. Denn meine Daumen wissen jetzt, was ich von ihnen will. Das ist gut für mein Gefühlsleben.

Denn wie Forscher herausgefunden haben, das Wischen, Streichen und Tippen verändert unser Gehirn, und zwar das Gefühlszentrum, den somatosensorischen Cortex. Je mehr wir auf dem Smartphone herumwischen, umso grösser die Signale dort, umso sensibler meine Daumen. Und umso mehr Münzen für Leo.

Daraus liesse sich folgender Schluss ziehen: Je mehr ich am iPad wische, umso sensibler werde ich für echte Berührungen. Aber auch der Schluss: Je mehr ich wische, umso weniger Zeit habe ich für solche echten Berührungen.