Selbstbestimmt bis zum Ende

Nachdem der SVP-Politiker This Jenny sich mit der Sterbehilfeorganisation Exit von seiner Krankheit erlöst hat, steigt kurzfristig die Zahl von Anmeldungen. Weshalb immer mehr Menschen den Zeitpunkt ihres Todes selber wählen wollen.

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Intensive Care. (Bild: fotolia)

Intensive Care. (Bild: fotolia)

Üblicherweise gehen bei der Sterbehilfeorganisation Exit täglich 100 Anmeldungen ein. Seit letztem Samstag sind es 150 bis 200. An jenem Tag hatte der ehemalige Glarner SVP-Ständerat This Jenny mit Hilfe von Exit sein Leben beendet. Und damit sein Krebsleiden. «Diese Publizität gibt Menschen, die schon lange Mitglied bei uns werden wollen, manchmal den entscheidenden Anstoss», sagt Bernhard Sutter, Vizepräsident von Exit. Üblicherweise halte dieser Effekt fünf bis sieben Tage an.

«Selbstbestimmte Alte»

2008 waren 51 670 Personen Mitglied bei Exit, 2013 waren es 69 500 Mitglieder. Stand Anfang November: 80 200. Den Schritt in den Tod mit der Organisation haben deutlich weniger Menschen gemacht: 2008 schieden 167 Personen mit Exit aus dem Leben, 2012 waren es 356, 2013 459. Die Zahl für 2014 liege erst im Frühling vor, sagt Sutter. Er führt den Mitgliederanstieg auf die höhere Lebenserwartung zurück: «Und jetzt kommt eine Generation ins Alter, die ihr Leben lang selbstbestimmt leben konnte. Solche Menschen möchten auch am Lebensende entscheiden.»

«Einfluss der Kirche nimmt ab»

Peter Schaber, Ethikprofessor an der Universität Zürich, sagt hingegen: «Den von Gott vorgegebenen Weg zu Ende zu gehen, auch wenn das bedeutete, zu leiden – das war in den Augen unserer Grosseltern Würde», sagt Schaber. In der christlichen Lehre sind Suizid und Sterbehilfe verpönt. Es gilt als hochmütig, wer sich traut, das Leben, ein Geschenk Gottes, zurückzugeben – indem er es eigenmächtig beendet. «Doch der Einfluss der christlichen Lehre nimmt ab, ihre Doktrinen verlieren an Kraft», sagt Schaber. (dbu)

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