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Selbst der Computer irrt

Autonome Fahrzeuge
Dominik Buholzer

Eigentlich wäre der Vorfall hierzulande kaum eine Meldung wert – so tragisch er auch ist. Es ist ein Unfall, wie er sich weltweit leider immer wieder ereignet: Eine Frau schiebt im Dunkeln ihr Velo über die Strasse und wird dabei von einem Auto erfasst. So geschehen am vergangenen Sonntag in Tempe im US-Staat Arizona.Bei der Passantin handelt es sich um eine 49-jährige zweifache Mutter, die kurze Zeit später im Spital ihren Verletzungen erliegt.

Was den Zwischenfall so speziell macht, ist die Tatsache, dass es sich bei dem Unfallauto um ein autonomes Fahrzeug des Fahrdienstleisters Uber handelt. Solche Roboterautos sind derzeit der letzte Schrei. Kein Technologiekonzern und kein Automobilhersteller, der sich nicht auf diesem Gebiet betätigt – es gilt schliesslich, nicht die Zukunft zu verpassen. Längst finden die Tests nicht mehr nur in den USA und auf abgesperrten Teststrecken statt. In Deutschland sind solche Versuche auch auf Auto­bahnen möglich. Seit kurzem benötigen die Unternehmen dazu keine Sondergenehmigung mehr. Es herrscht schon fast Goldgräberstimmung. Das hängt mit den Erwartungen zusammen, die man sich von dieser Entwicklung verspricht.

Roboterautos sollen ein Mittel gegen Staus sein, da sie den Verkehr flüssiger machen. Da sie eine bessere Ökobilanz aufweisen, sollen sie auch umweltfreundlicher sein. Und nicht zuletzt sollen autonome Fahrzeuge den Strassenverkehr sicherer machen. Ein Grossteil der Unfälle ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Wird der Mensch durch die Maschine ersetzt, so die Hoffnung, soll durch die neue Technik die Anzahl Unfälle um bis zu 90 Prozent gesenkt werden können.

Tempe in Arizona zeigt, dass wir noch lange nicht an diesem Punkt angelangt sind und dass der Weg dorthin mit schmerzlichen Erkenntnissen verbunden ist. In der Branche wusste jeder, dass einmal der Tag kommen würde, an dem ein Mensch von einem selbstfahrenden Auto getötet wird. Nur reden wollte darüber nie jemand. Aus gutem Grund.

Keine Technik ist fehlerfrei. Auch im Zeitalter der Roboterautos wird es Verkehrstote geben. Denn unser mensch­liches Verhalten ist viel zu oft unberechenbar.

In den USA hatten erst wenige Tage vor dem Unglück Fir-men wie Uber und die Google-Schwester Waymo an den Kongress in Washington appelliert, die Entwicklung von selbst­fahrenden Fahrzeugen mit einer weit reichenden Gesetzgebung voranzutreiben. Das war mög­licherweise etwas zu vorschnell, wie sich jetzt zeigt.

Es wäre aber ein Trugschluss, zu glauben, die Entwicklung liesse sich stoppen. Auch wenn in der Schweiz laut einer Umfrage von Comparis 53 Prozent der Befragten angeben, dass sie Angst vor dem Kontrollverlust haben, der mit autonom fahrenden Autos einhergeht, so ist dies ein Trugschluss. Wir stecken schon mittendrin im Prozess. Tempomat, Antiblockiersystem, Schleuderschutz ESP oder Einparkhilfen – Autos agieren längst automatisiert.

Der Roboter dürfte in Zukunft auch im Auto das Steuer übernehmen. Das wird nicht heute sein und auch nicht morgen. Dazu braucht es noch mehrere Jahre Tests. Es ist allerdings fraglich, ob diese im jetzigen Stadium der Techno­logie heute schon im öffentlichen Raum stattfinden müssen.

Dominik Buholzer

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