Schwieriger, als es scheint

Zur Sache

Balz Bruder
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Der Vierfach-Mord von Rupperswil war eine Ungeheuerlichkeit. Und wird es bleiben. Auch nach dem Prozess, der morgen beginnt, wird die Tat ihre Monstrosität nicht verloren haben. Eine ebenso banale wie ernüchternde Aussage. Und vor allem eine, die nicht tröstet. Dass die juristische Auseinandersetzung mit dem Fall Rupperswil über diesen hinausweist, hat auch mit einer anderen Gräueltat zu tun. Im Fall Marie, der niederträchtigen Erdrosselung einer jungen Frau, hat das Bundesgericht jüngst zwar die lebenslängliche Freiheitsstrafe für den Täter bestätigt. Gleichzeitig haben die Lausanner Richter die lebenslange Verwahrung jedoch aufgehoben. Das höchstrichterliche Urteil hat erwartungsgemäss hohe Wellen geschlagen. Insbesondere bei jenen, die vor 15 Jahren für die Verwahrungs-Initiative geweibelt hatten. Der Aufschrei ist verständlich: Und es ist unschwer vorauszusehen, dass sich die Frage auch im Fall Rupperswil stellen wird. Die Forderung nach lebenslanger Verwahrung ist zwar leicht ausgesprochen. Tatsache ist aber, dass sie die Lausanner Richter noch nie ausgesprochen haben. Und dies nicht aus Ignoranz, sondern mit Bedacht. Erstens wird auch der Rupperswiler Täter den Rest seines Lebens mit grösster Wahrscheinlichkeit hinter Gittern verbringen – unabhängig davon, ob er lebenslang verwahrt wird oder nicht. Zweitens gehört zu unserem freiheitlich verfassten Staat und seinem Menschenbild, dass auch Gewalttätern eine Entwicklung zugebilligt wird. Deshalb: Gewaltverbrecher aus purer Angst lebenslang zu verwahren, widerspricht der liberalen Staatsüberzeugung. Unsicherer leben wir deshalb nicht. Seite 2, 3