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Schwarze Löcher strahlen doch

Theorien Früh hat sich Stephen Hawking mit Albert Einstein und dessen Relativitätstheorie beschäftigt. «Einstein ist das Stichwort, das benötigt wird, um das ­Phänomen Hawking zu erklären», sagt der renommierte deutsche Wissenschaftshistoriker Ernst Peter Fischer. «Wer Kalauer schätze, könnte sogar sagen, dass Hawking die alberne Ausgabe von Einstein ist. Er hatte gute Marketingberater, brauchte Geld für seine Forschung und war vor seiner Krankheit als Witzbold bekannt», sagt Fischer.

Hawking habe versucht, sein Vorbild Einstein zu imitieren, was sich direkt auf die Arbeit des Briten ausgewirkt habe. Eine von Einsteins Leistungen bestand darin, die von Immanuel Kant gestellte Frage, ob die Welt einen Anfang in Raum und Zeit haben kann, aus dem Bereich der Philosophie in die Sphäre der theoretischen Physik geholt zu haben. Der Nobelpreisträger führte Raum und Zeit zusammen und löste so die Frage nach dem Anfang des Raums. In ihr gelten nach Einstein Regeln wie auf der Oberfläche einer Kugel. Man kann auf ihr unendlich kreisen, erreicht aber nie eine Grenze. Der Kosmos kann nach Einstein keinen Anfang im Raum haben. Hawking nahm Einsteins Ideen auf und entwickelte die Idee eines Universums, das weder Ränder noch Grenzen kennt. «Stephen Hawking hat also zum einen versucht, den Anfang der Zeit zu verstehen. Zum Zweiten hat er zeigen können, dass selbst schwarze Löcher nicht das Ende der Zeit darstellen und strahlen können», sagt Ernst Peter Fischer. «Er hat die Wissenschaft in vieler Hinsicht überrascht und sich gerne selbst widersprochen und widerlegt.»

Um Hawkings Theorie eines expandierenden Kosmos, in dem schwarze Löcher strahlen, zu verstehen, muss man etwas über schwarze Löcher wissen. Sie gehören zu den bekanntesten Vorstellungen der Astronomie. Mit ihnen versuchen Physiker zu erfassen, was unter dem Einfluss der Schwerkraft passiert, wenn zu viel Materie zusammenkommt und unter ihrer Masse kollabiert. Die Materie, die aus Atomen besteht, stürzt so in sich zusammen, dass am Schluss riesige Neutronensterne entstehen, die weiter kollabieren können. Die Gravitationskraft des schwarzen Lochs ist so stark, dass diese alles, selbst das Licht, an sich reisst. Nichts kann entkommen. Doch Hawking behauptete 1974, schwarze Löcher könnten doch etwas abstrahlen: die «Hawking-Strahlung». Eine Theorie, die seinen Status als Star der modernen Naturwissenschaft begründet. Hawking bietet das ganze Arsenal an namhaften Wissenschaftern auf, um diese Aktivität der schwarzen Löcher zu begründen. Viele überzeugt er, obwohl die Hawking-Strahlung so schwach ist, dass nach Ernst Peter Fischer wohl niemand mit ihrem Nachweis rechnet.

Mit seinen Theorien überfordert er das Publikum

Immer geht es Hawking dabei um grosse Fragen zum Universum. Mit seinen Antworten überfordert er das Publikum, spricht von komplizierten Konzepten mit Namen wie Wurmlöcher und Ereignishorizonte. Er selbst scheint seine Theorien nicht immer ganz ernst zu nehmen, wenn er in einem seiner vielen Bücher bedauernd feststellt, dass man seine Theorie nicht testen könne, «weil man dafür Apparate braucht, die grösser als unser Sonnensystem sind».

Trotz der Komplexität seiner Theorien bleibt Hawking populär, und Fischer führt das auf die gleichen vier Faktoren zurück, die auch schon Einstein zum Superstar gemacht haben. «Zum einen handeln Einsteins Theorien von Dingen, die zwar niemand versteht, die aber erklären, was jeder verstehen will», sagt ­Fischer. Zudem habe Einstein feine Ironien unter das Volk gestreut wie «Gott würfelt nicht», auf ein auffälliges Äusseres geachtet und sich gut mit Journalisten verstanden. Hawking habe alle diese Punkte verstanden und weidlich ausgenutzt, allerdings ohne die Substanz seines Vorbildes zu erreichen, sagt Fischer.

Von Gott hat der britische Astrophysiker viel gesprochen. Denn wenn das Universum weder Anfang noch Ende hätte: «Wo wäre dann noch Raum für den Schöpfer?», fragt er. Gesucht hat er nach einer vollständigen Theorie zur ­Erklärung des Universums, die er für den endgültigen Triumph der menschlichen Vernunft gehalten hätte. Weil der Mensch dann Gottes Plan gekannt hätte. Einsteins Diktum wandelt Hawking deshalb ab und sagt: «Gott würfelt nicht nur, er wirft die Würfel sogar dorthin, wo man sie nicht sehen kann.» Nach Fischer würde das bedeuten, dass Gott boshaft sei, was Einstein sicher abgelehnt hätte.

Bruno Knellwolf

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