Schule als Lehrerhölle

LESBAR SATIRISCH

Hansruedi Kugler
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Bild: Hansruedi Kugler

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LESBAR SATIRISCH

Seit einem Jahr tourt Marc Hofmann mit seinem Bühnenprogramm «Der Klassenfeind – ein Lehrer im Sog des Wahnsinns» durch Deutschland: Haarsträubendes aus der Schulstube – ein satirischer Knaller. Der Stoff funktioniert auch als Roman prächtig: Nach 15 Jahren ist Lehrer Henry Milford ausgebrannt und zum Zyniker geworden. Er beschimpft und demütigt seine faulen und gelangweilten Schüler. Das Buch beginnt als lustige Satire auf die Absurditäten der Wohlfühlschule, bleibt aber zum Glück nicht darin stecken. Denn bald wird klar: Hier dreht einer langsam, aber unaufhaltsam durch. Hofmann stellt seinen Antihelden in die Kleinfamilienhölle und in die Schule: verbittert, zynisch und vereinsamt. Lehrer Milford verliebt sich in eine intrigante Praktikantin und verliert den Realitätssinn. Das Buch beschleunigt sich mit rabenschwarzem Humor zum Albtraum, der sich am Ende als Angsttraum entpuppt. Manch ein Leser wird daraus ebenso schweissgebadet aufwachen wie Lehrer Milford selbst.

Marc Hofmann: Der Klassenfeind, Tropen 2015, 251 S., Fr. 16.90.

Schräges Künstlerhotel

Wo kam Marcel Duchamps auf die Idee, ein Pissoir zum Kunstobjekt zu machen? Wo malte Ernst Ludwig Kirchner zum ersten Mal saftige grüne Alpweiden rot und blau? Der Zürcher Journalist Martin Walker flunkert in seinem ersten Roman «Hotel Schräg» charmant und schreibt die Kunstgeschichte um. In seinem Schelmenroman ereignen sich diese kunsthistorischen Wendepunkte nämlich im Hotel Slant im autofreien Bergdorf St. Meinart. Dorthin verirrt sich ein ehrgeiziger Kunsthistoriker. Als er vermeintlich frühe Fotos des berühmten Fotografen Valse zugesteckt bekommt, wittert er einen gewaltigen Karrieresprung. «Hotel Schräg» ist ein witzig geschriebener Roman, der episodisch ein ganzes Jahrhundert und deren Kunstepochen abschreitet und wie ein Schelmenroman endet. Getrübt wird das Lesevergnügen allerdings von Walkers telegrammartig trockenem Schreibstil, der nicht recht zum witzigen Stoff passt.

Martin Walker: Hotel Schräg. Dörlemann 2015, 158 S., Fr. 26.90.

Walker, Hotel Schräg-Final-uc.indd (Bild: Hansruedi Kugler)

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