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Schuhe fürs Leben

Ena Ringli lernte zuerst Schuhmacherin und reiste dann für die globalisierte Schuhindustrie bis nach China. Zurück im Thurgau hat sie eine eigene Schuhkollektion auf die Beine gestellt.
Katja Fischer De Santi
Etwas ausserhalb von Weinfelden entwickelt Ena Ringli in ihrem Atelier nach alter Schuhmachertradition die Prototypen ihrer Kollektionen. (Bilder: Reto Martin)

Etwas ausserhalb von Weinfelden entwickelt Ena Ringli in ihrem Atelier nach alter Schuhmachertradition die Prototypen ihrer Kollektionen. (Bilder: Reto Martin)

Wenn sich die 19jährige Tochter nach der Matura entschliesst Schuhmacherin zu werden, dann schlucken die Eltern erst mal leer. Es gäbe doch wohl lukrativere, weniger vom Aussterben bedrohte Berufe. Aber Ena Ringli blieb dabei. «Das Handwerk hat mich fasziniert», sagt die heute 37-Jährige. Das Handwerk fasziniert sie noch immer, die Eltern hat sie längst auch davon überzeugt, sie gehören zu ihren grössten Motivatoren und Fans. Nicht zufällig lebt und arbeitet Ena Ringli in einer umgebauten Scheune direkt neben ihrem Elternhaus.

Atelier im ehemaligen Taubenschlag

Das heimatgeschützte Gebäude gehört zum Weiler Oberhard und liegt rund zehn Autominuten von Weinfelden entfernt. Draussen herrscht ländliche Idylle, drinnen kreatives Chaos: gerollte, ökologisch gefärbte Lederhäute, hölzerne Leisten, Brandsohlen, Ledersohlen, Fersenkappen, Zwickzangen und ein paar fast archaisch wirkende Maschinen. Im ehemaligen Taubenschlag ihres Grossvaters fertigt Ena Ringli seit zwei Jahren die Prototypen für ihre eigene Schuhkollektion yép an. Hier, ausserhalb von Weinfelden, wohnt sie mit ihrem Lebenspartner, einem vietnamesischen Architekten. Nach Jahren in Deutschland, Italien und China sei sie gerne in den Thurgau zurückgekommen.

Die Lehre als Schuhmacherin war Ena Ringli nicht genug. Sie wollte mehr als nur Schuhe flicken – und zog nach Pirmasens. Einst das Zentrum der deutschen Schuhindustrie, mit mehr als 350 Schuhfabriken, die in der ganzen Welt ihresgleichen suchten. Heute sei – durch die Verlagerung der Produktion in Billigstlohnländer – nicht mehr viel von der einstigen Schuhstadt übrig, erzählt Ringli. «Aber eben immer noch mehr als bei uns.» Die Thurgauerin studierte in Pirmasens Schuhtechnik und Lederverarbeitung. Danach wurde sie, die sich doch eigentlich so sehr fürs Handwerk interessiert hatte, selbst Teil der globalisierten Schuhindustrie. Sie entwickelte für internationale Firmen in Rumänien, Österreich oder Indien Kollektionen, überwachte Produktionen und verkürzte ganze Produktionsprozesse. Zwei Jahre lebte sie gar in Südchina und baute innert kürzester Zeit einen neuen Produktionsstandort auf.

China? Das klingt sofort nach Billigstproduktion und ausgebeuteten Wanderarbeitern. «Mitnichten», kontert Ringli. Sie habe in China junge, talentierte Leute angetroffen, wie es sie in der europäischen Schuhindustrie seit langem nicht mehr gebe. Es sei nicht alles gut in China, aber besser als in Osteuropa, wo sie zum Teil «schlimme Arbeitsbedingungen» angetroffen habe.

Während Ena Ringli im Auftrag der globalisierten Schuhindustrie um die Welt jettete, formte sich in ihr der Wunsch, dieser Globalisierung etwas entgegen zu setzen. Sie wollte das Schuhmacherhandwerk, dass sie einst gelernt hatte, statt in die Welt hinaus zurück in die Schweiz bringen. In einem Paar Schuhe – und sei es noch so billig – stecke noch fast so viel Handarbeit wie vor 100 Jahren. Eine wundervolle Arbeit, aber eine, für die wir in der reichen Schweiz kein Verständnis mehr hätten, sagt Ringli und dreht einen roten Damenschuh liebevoll in ihren Händen. Das Leder, die feinen Stiche, die mehrlagige Sohle, der Absatz, die halbrunde Spitze, es sei ihr schleierhaft, wie man einen Schuh für unter 30 Franken verkaufen könne.

Made in Weinfelden statt Made in China

Bevor sie ihre Schuhmanufaktur eröffnete, arbeitete sie zwei Tage die Woche als Schuhverkäuferin in Zürich. Eine Erkenntnis aus dieser Zeit: «Ich fertige auch farbige Schuhe mit aufwendigen Details an, weil alle anderen nur schwarze und braune Schuhe machen.» Ganz bewusst mache sie aber keine hippen Schuhe, sondern konzentriere sich auf klassische Modelle, welche sie zeitgeistig interpretiere. Etwa die silbernen Budapester mit rotem Lederfutter. Dass sie für ihre Modelle «Schweizer Design aus 100 Prozent Handarbeit» nicht mehr als 380 Franken verlangt, ist nur dank knappster Kalkulation und Direktverkauf möglich.

Noch rentiert ihre kleine Manufaktur nicht. Mit Designentwürfen und Beratungen für Externe verdient sie sich etwas dazu. Doch so langsam käme yép ins Rollen. Diesen Herbst lanciert Ringli ihre erste Männerkollektion «Made in Switzerland». Noch lässt sie ihre Damenschuhe in Italien in Kleinstserien produzieren. Doch einst möchte sie alles selbst herstellen. «Mit meinem Team, hier in Weinfelden, das wäre mein Traum.»

Und wer weiss, vielleicht wird sie einst Lehrlinge ausbilden. Junge Menschen, die, wie sie einst, ein altes Handwerk lernen wollen, um ihm neues Leben einzuhauchen.

Legende Legende (Bilder: Reto Martin)

Legende Legende (Bilder: Reto Martin)

Legende Legende (Bild: Vorname Name)

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Legende Legende (Bild: Vorname Name/Agentur (Ort, TT. Monat JJJJ))

Legende Legende (Bild: Vorname Name/Agentur (Ort, TT. Monat JJJJ))

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