Schrödinger denkt quer

Wie der österreichische Physiker Erwin Schrödinger vor siebzig Jahren einen Meilenstein in der Mikrobiologie setzte.

Ernst Peter Fischer
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Erwin Schrödinger (Bild: wikipedia)

Erwin Schrödinger (Bild: wikipedia)

Als vor siebzig Jahren der Zweite Weltkrieg zu Ende ging, begann im Schatten der grossen Schlachten der Aufstieg der Molekularbiologie. Mediziner in New York stellten zum erstenmal fest, aus welcher Chemikalie das Erbmaterial besteht. Zur gleichen Zeit machte sich ein Physiker in Dublin Gedanken über die Frage: «Was ist Leben?» Die Antwort steht zwar bis heute aus. Aber die Suchrichtung war damit gesetzt.

Die Idee eines Codes

Der Autor des Buches war der Österreicher Erwin Schrödinger, seit 1933 Nobelpreisträger für Physik. Schrödinger versuchte zu verstehen, wie es das Leben schafft, seine Ordnung nicht nur aufrechtzuerhalten, sondern von Generation zu Generation weiterzugeben. Er vermutete, dass das Leben über besondere Strukturen verfügen musste, die für den Erhalt der Ordnung zuständig waren.

Diese Strukturen trugen da schon einen Namen: Die Biologen sprachen von Genen, doch ohne wirklich viel von ihnen zu wissen. Sie hatten noch keine Vorstellung davon, wie Gene ihre besondere Funktion ausübten, bis Schrödinger die zündende Idee beitrug: Es müsse einen Code geben, der das Leben instruiert. Diesen Code galt es fortan zu knacken.

Bereit, sich zu blamieren

Schrödingers Buch «Was ist Leben?» erscheint bis heute in immer neuen Auflagen. So entsteht der Eindruck eines souveränen Werkes, das ein souveräner Wissenschafter mit Weitblick geschrieben hat. Tatsächlich fühlte sich der Physiker höchst unsicher, als er sich biologischen Fragen zuwandte. Im Vorwort schrieb er, dass man bereit sein muss, sich zu blamieren, um mutige Vorschläge machen zu können.

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