Schöne Töne

…Es gibt Lieder, die passen perfekt zur neu gefundenen Häuslichkeit… Keine Ahnung, wann er sich verflüchtigt hat und ob er allenfalls eines Tages zurückkehrt. Besonders ausgeprägt war er nie, doch jetzt ist er ganz verschwunden.

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…Es gibt Lieder, die passen perfekt zur neu gefundenen Häuslichkeit…

Keine Ahnung, wann er sich verflüchtigt hat und ob er allenfalls eines Tages zurückkehrt. Besonders ausgeprägt war er nie, doch jetzt ist er ganz verschwunden. Er, das ist der Drang, abends in den Bars und Clubs der Stadt zu versumpfen. Die Wochenenden werden nicht mehr herbeigesehnt, sie stehen vielmehr uneingeladen vor der Tür. Ins Nachtleben schicke ich mich nur noch widerwillig und mit angezogener Handbremse. Der schönste Moment ist der Heimweg, den ich folglich immer früher antrete. Dann ist die Zeit gekommen für «Death Of A Party» von Blur. Ein schwermütiges Stück Musik als Abgesang auf die unbeschwerten Samstagabende meines Lebens.

Blur hatte ich während Jahren nur mit den Fingerspitzen angefasst. Ich war ein Jünger von Oasis. Beides ging nicht, hatten sich doch die beiden Bands in den 90ern einen mediengerechten Kampf um die Pop-Vorherrschaft auf der Insel geliefert. Der Sieg ging an Oasis. Doch während sich die Gallagher-Brüder anschliessend auf ihr «It's gonna be alright, mate»-Mantra versteiften und musikalisch stagnierten, brachen Blur auf zu neuen Ufern. Die Band um Sänger Damon Albarn flüchtete nach Island, angewidert vom miefig gewordenen Britpop. Auf den nächsten Alben vertonten die einstigen Posterboys den grossen Kater, Albarn sang «Death of a Party». Die Rivalen aus Manchester hingegen feierten unbeirrt weiter und wir mit ihnen.

Heute passen die nachdenklichen und zurückgelehnten Songs aus dem Spätwerk von Blur besser zur eigenen Häuslichkeit. Und wenn man trotz grosser Unlust eben doch mal wieder um die Häuser zieht und sich das Gehirn am Sonntag anfühlt, als schwimme es in Katzenpisse, dann ist Blurs «Death of a Party» auch wesentlich näher am Leben als Oasis' «Live Forever».

Blur: «Death Of A Party» Blur, 1997

Tobias Bär