Schluss mit Print: «Independent» nur noch online

In Grossbritannien ist der Medienmarkt in Bewegung. Die 1986 gegründete «Independent» erscheint heute Samstag zum letztenmal auf Papier. Für Besitzer Evgeny Lebedev ist die Sache klar.

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epa05222128 The last print edition of British newspaper the Independent is pictured in London, Britain, 20 March 2016. The Independent has decided to end its printed version and to rely on the online edition only. EPA/ANDREW COWIE (Bild: ANDREW COWIE (EPA))

epa05222128 The last print edition of British newspaper the Independent is pictured in London, Britain, 20 March 2016. The Independent has decided to end its printed version and to rely on the online edition only. EPA/ANDREW COWIE (Bild: ANDREW COWIE (EPA))

In Grossbritannien ist der Medienmarkt in Bewegung. Die 1986 gegründete «Independent» erscheint heute Samstag zum letztenmal auf Papier. Für Besitzer Evgeny Lebedev ist die Sache klar. «Wir hatten die Wahl, den Niedergang der Druckausgabe zu verwalten oder die digitale Grundlage, die wir gebaut haben, in eine nachhaltige, profitable Zukunft umzuformen.»

Geld für guten Inhalt

Die Auflagen der landesweiten britischen Zeitungen sind über die vergangenen Jahre gefallen, während Nutzerzahlen der Online-Portale steigen. Nach wie vor testen Medien, wie sie online Geld verdienen können. Bezahlschranken sind in Grossbritannien schon länger und weiter verbreitet als etwa auf dem Kontinent. Dies gilt vom Boulevardblatt «Sun» bis zur «Financial Times». Auch beim wöchentlich erscheinenden «Economist» fällt die Zahl der Print-Abos, die der Online-Abos steigt. An der gedruckten Ausgabe aber will man festhalten.

Neue Zeitung ohne Website

In diese Stimmung hinein erregt eine neue Zeitung Aufsehen. Und zwar eine, die nicht einmal eine Website hat. Der «New Day» sei die erste eigenständige landesweit erscheinende Tageszeitung seit dem «Independent»-Start 1986, brüstet sich der Verlag Trinity Mirror, der mit dem «Mirror» politisch linken Boulevardjournalismus macht. Das neue Blatt richtet sich vor allem an Frauen, es soll «optimistisch» und politisch neutral sein. Die Entscheidung für «New Day» sei aus der Not heraus gefallen, sagt Chefredaktorin Alison Phillips dem «Guardian». Um «Mirror»-Leser zurückzugewinnen, hätte man die Zeitung umkrempeln müssen. Ein neues Blatt schien einfacher. Besonders erfolgreich startete «New Day» aber nicht. Trotz eines Einführungspreises von 25 Pence kletterten die Verkaufszahlen nicht auf die erhofften 200 000. Derzeit sollen sie bei 90 000 liegen. (sda)