Schloss Weinstein, Marbach: Genuss im Rebberg

Die Lage mitten in den Reben über dem Rheintal ist erstklassig, da verrät man nichts Neues. Neu und höchst erfreulich aber ist, dass an diesem begnadeten Ort wieder gewirtet wird. Im Frühling dieses Jahres hat Friedrich W. Diener mit seiner Crew übernommen.

Beda Hanimann
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"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

"Zu Tisch" Picto (Bild: Beda Hanimann)

Die Lage mitten in den Reben über dem Rheintal ist erstklassig, da verrät man nichts Neues. Neu und höchst erfreulich aber ist, dass an diesem begnadeten Ort wieder gewirtet wird. Im Frühling dieses Jahres hat Friedrich W. Diener mit seiner Crew übernommen. Der erfahrene Gastronom hat's mit Schlössern, zuletzt war er Betriebsleiter und Gastgeber im Gourmetrestaurant Nocturne im Kreuzlinger Schloss Brunnegg. Doch Schlossherren-Gehabe ist nicht Dieners Sache, er empfängt seine Gäste locker im T-Shirt. Zumindest an diesem lauen Septemberabend.

Den entspannten Auftritt kann man als Zeichen nehmen. Denn trotz Gourmet-Erfahrung (auch Küchenchef Alexander Wussow kam vom «Nocturne», zuvor war er im «The Dolder Grand» in Zürich tätig, seine Ausbildung genoss er in der berühmten «Traube» Tonbach im Schwarzwald), trotz Gourmet-Meriten also will die «Weinstein»-Crew ein Restaurant für die ganze Bevölkerung sein. Diener schielt nicht nach Punkten. Sein gastronomisches Credo heisst: Gehobene gutbürgerliche Küche, auch für Familien erschwinglich und trotzdem auf hohem Niveau.

Wurstsalat bis Kalbskotelett

Das Versprechen wird an diesem Septemberabend eingelöst. Der bei sechzig Grad geduldig gegarte Schulterspitz vom Weiderind ist ein Traum von Zartheit (Messer überflüssig), die Sauce kräftig, die Bramatapolenta schmeckt, und die Garnitur von Rheintaler Gemüse ist reichhaltig, wenn auch für den Geschmack des Testers etwas zu sehr nouvelle cuisine (Messer unabdingbar). Das alles für 34.–. Überzeugend auch die Vorspeise, eine Essenz von Waldpilzen mit Kräuterflädli (10.–). Die Karte ist erfreulich überschaubar und wird doch vielen Gelüsten gerecht – mit Gazpacho Andaluz (8.–), Kalbskotelett mit Artischocken-Pfifferling-Gemüse und mariniertem Lattich (52.–) oder dem Wurstsalat «Weinstein» (15.–).

Schlosseigener Wein

Dieners Konzept verrät viel Sorgfalt und ein kluges Auge für die angemessene Bewirtschaftung der verschiedenen Räumlichkeiten inklusive traumhafter Terrasse. Kundenfreundlich ist zudem das Angebot, jeden Hauptgang auch als kleine Portion zu servieren (mit 5.– Preisreduktion). Freude macht natürlich das europäische Weinangebot, das mit schlosseigenen Tropfen beginnt.

Unser Eindruck: Auf Schloss Weinstein kommen Wanderer, Familien, Geschäftsleute – einfach alle Arten von Geniessern – auf die Rechnung. Ein toller Ort, wo ungezwungen und gediegen kein Widerspruch ist.

Schloss Weinstein, Marbach Weinsteingasse 219, 9437 Marbach, Tel. 071 777 11 07 www.schloss-weinstein.ch Öffnungszeiten: Di Ruhetag (November–April Mo und Di) Karte: Mittagsmenu 19.50 bis 32.–. A-la-carte-Hauptgerichte 19.– bis 52.–