SCHLAGER: Knallrot ist das Gummiboot

Ihren grössten Hit mit dem Gummiboot singt Wencke Myhre immer noch gerne. Auch bei ihrer Geburtstagsparty zum 70.

Julia Wäschenbach (dpa)
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Ganz still und gemütlich wollte Schlagersängerin Wencke Myhre ihren 70. Geburtstag am Mittwoch feiern, mit der Familie daheim auf der kleinen Insel Nesøya bei Oslo. «Dann gab es so viele Anfragen – und puff! Plötzlich fand ich mich bei einer riesigen Feier mit 7000 Menschen in Oslo wieder», erzählt die Norwegerin. Nachdem sie den Brustkrebs besiegt hat, sprüht der Showstar vor Energie. «In meinen Gedanken lebe ich natürlich damit», sagt sie. «Aber es prägt meinen Alltag nicht. Jetzt ist hier volle Pulle.»

«Volle Pulle» haben die deutschen Fernsehzuschauer die Norwegerin auch ab Mitte der 60er-Jahre erlebt. Mit «Beiss nicht gleich in jeden Apfel» singt sich der heitere Teenager in die Herzen der Schlagerfans. «Meine Karriere ging ab wie eine Rakete», schreibt Myhre in ihrer Autobiographie «Die Wencke», die 2013 auf Deutsch erschien. Dabei konnte sie kein Wort Deutsch, als sie nach Deutschland kam. Dass sie die Sprache heute fast akzentfrei spricht, hat sie auch ihrem Produzenten Bobby Schmidt zu verdanken. Die Norwegerin stand bald mit Roy Black, Peter Alexander, Udo Jürgens und Michael Schanze vor der Kamera und auf der Bühne. Mitte der 70er-Jahre bekommt sie mit «Das ist meine Welt» ihre erste eigene Fernsehshow im ZDF. In dieser Zeit ist oft eines ihrer drei kleinen Kinder mit ihr auf Tour. «Ich habe sehr früh entschieden, Familie zu wollen», sagt sie. «Heute begreife ich nicht, wie ich all das zusammen geschafft habe», schreibt sie in ihren Erinnerungen. Dreimal war Myhre verheiratet, viermal wurde sie Mutter. Ihre Frohnatur hat Myhre trotz Scheidungen, dem Selbstmord ihres zweiten Mannes und dem Krebs nicht verloren. «Ich habe immer das Gefühl, es blüht. Es geht in allen Menschenleben rauf und runter, aber ich fühle, ich habe so viel, für das ich dankbar sein kann.» Ihre Schlager wie «Ein knallrotes Gummiboot» sind nach Jahrzehnten immer noch beliebte Partyhits.

Julia Wäschenbach (DPA)