Schlag gegen Grüsel-Vermieter

Über 1000 Franken Miete für Wohungen, in denen teils nicht einmal Wasser, Strom und Heizung funktionieren: Solche Zustände gibt es in der Stadt Zürich. Nun haben Polizei und Justiz zugeschlagen. Sie befragen über 120 Bewohner - und haben vier Personen verhaftet.

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Zigarettenstummel und Urinspuren an den Wänden im Treppenhaus einer betroffenen Liegenschaft. (Bild: Keystone)

Zigarettenstummel und Urinspuren an den Wänden im Treppenhaus einer betroffenen Liegenschaft. (Bild: Keystone)

In einer gemeinsamen Grossaktion gegen Mietzins-Wucher hat die Kantonspolizei Zürich zusammen mit der Stadtpolizei und der Staatsanwaltschaft am Dienstagmorgen in Zürich in drei Mehrfamilienhäusern gegen 120 Bewohner befragt. Diese haben mutmasslich deutlich überteuerte Mietzinse zu zahlen, wie es in einer Mitteilung heisst. "Bei den Bewohnern handelt es sich um Personen aus sozial schwächeren Schichten, die teilweise ihren Lebensunterhalt beziehungsweise die Wohnkosten mit Geldern der öffentlichen Hand bestreiten." Der Hauseigentümer sowie drei Mitarbeitende wurden verhaftet.


Etagentoiletten teils defekt
Der Aktion gegen "dreisten Miet-Wucher", wie es im Communiqué heisst, waren umfangreiche Abklärungen vorausgegangen. "Die Behörden deckten in drei Mietshäusern an der Neufrankengasse und der Magnusstrasse zum Teil desolate Zustände auf. Auf engstem Raum, teils ohne funktionierende Wasser-, Strom- oder Wärmeversorgung, hausen mindestens 120 Menschen zu überteuerten Preisen." Sanitäre Anlagen beschränken sich in einem Wohnhaus gemäss dem Communiqué auf Etagentoiletten, welche nur zum Teil funktionsfähig seien. Für ein Zimmer mit rund 10 bis 20 Quadratmeter wurden Mietzinse von über 1000 Franken pro Monat verlangt, wie die Behörden mitteilen. In den sanierungsbedürftigen Häusern befinden sich auch Mietobjekte mit beschränktem Tageslicht.

RAZZIA, POLIZEI, WUCHER, MIETPREISWUCHER, MIETE, MIETWOHNUNG, LANGSTRASSE (Bild: Keystone)
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Nur das Nötigste gemacht
Obwohl die Feuerpolizei und das Amt für Umwelt- und Gesundheitsschutz der Stadt Zürich den Eigentümer mehrmals auf die Mängel aufmerksam gemacht hatten, sind bislang jeweils nur die nötigsten Reparaturen vorgenommen worden, wie es im Communiqué weiter heisst. Die Polizei befragt derzeit sämtliche Bewohner der Häuser. Um Wucher handelt es sich laut Strafgesetzbuch, wenn die Zwangslage einer Person ausgebeutet wird und Leistung und Gegenleistung in offenbarem Missverhältnis stehen. Gewerbsmässiger Wucher wird mit einer Freiheitsstrafe von einem bis zehn Jahren bestraft.

Bei den Festgenommenen handelt es sich um den Eigentümer der Liegenschaften sowie um zwei Männer und eine Frau, die im Dienste der Liegenschaftsverwaltung stehen. Die Verhafteten sind zwischen 39 und 56 Jahre alt und stammen aus der Schweiz sowie dem Libanon.

Die Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat hat ein Strafverfahren wegen Wuchers eröffnet. (pd/dwa/sda)