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SCHLACHTUNG: Der Chüngelipfarrer und die armen Schweine

Der Theologe Lukas Baumann wehrt sich dagegen, dass ein Metzger öffentlich Schweine schlachtet. Aus Protest geisselt er sich – ebenfalls öffentlich.

Vegetarier? Ein altes indianischer Wort für «schlechter Jäger». So geht ein früher oft erzählter Witz. Doch die Zeit, in der über den freiwilligen Fleischverzicht Witze gemacht werden durften, ist vorbei. Vegetarismus, gar Veganismus sind heute eine ernste Sache – und auf dem Vormarsch.

Dies zeigt sich gerade wieder im basellandschaftlichen Sissach, wo ein Metzger auf die Idee gekommen ist, diesen Samstag öffentlich zwei Säue zu schlachten und so an die Hausmetzgete von früher zu erinnern. Das Vorhaben rief nicht nur Tierschützer auf den Plan, sondern auch Lukas Baumann, einen 56-jährigen Theologen und Schauspieler, der sich zudem seit vielen Jahren als Vegetarier ernährt.

Baumann will sich Anfang nächster Woche zur abendlichen Stunde in der Fussgängerzone von Sissach in mittelalterlicher Kleidung und lateinisch singend und betend mit einer selbst gebastelten Geissel schlagen. Mit der Selbstgeisselung setze er «dem grausamen Brauchtum der öffentlichen Metzgete ein anderes grausames Brauchtum entgegen», so der Gottesmann. So sühne er das Unrecht, das an den wehrlosen Geschöpfen begangen werde. Gemeint sind damit des Sissacher Metzgers Schweine.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Lukas Baumann für Tiere einsetzt. Er tat es schon als Pfarrer in Rothenfluh, unweit von Sissach – und wurde so als «Chüngelipfarrer» zur regionalen Berühmtheit. Alles begann damit, dass Baumanns Frau, eine Tierbetreuerin und passionierte Tierschützerin, im Pfarrhaus eine Auffangstation einrichtete für Kaninchen, die nicht artgerecht gehalten wurden. Und alles endete mit dem Rücktritt des Kirchgemeindepräsidenten.

Der nämlich verweigerte die Zustimmung dafür, das frühere Sitzungszimmer des Pfarrhauses zum Kaninchenstall umzufunktionieren. Ein Pfarrhaus müsse für die Öffentlichkeit zugänglich sein, so die Begründung. Eine vom Kirchgemeindepräsidenten angebotene Alternative lehnte – unterstützt vom Ehemann – die Pfarrersgattin ab. Als sich dann auch noch die Kirchenpflege mehrheitlich für die «Umnutzung des Sitzungszimmers» aussprach, hatte ihr Präsident genug: Er trat zurück. Pfarrer Baumann wollte auch nicht bleiben und kündigte. Einen späteren Widerruf seiner Kündigung ignorierte die Kirchenpflege.

Nach den Kaninchen nun also des Sissacher Metzgers-Schweine. Zwar hält es der Gottesmann für überholt, mittels Geisselung Busse zu tun und «Gott mit eigenen Schmerzen zufriedenstellen zu wollen». Weil aber eine öffentliche Schlachtung von Schweinen genauso überholt sei, passe seine an vergangene Zeiten erinnernde Protestaktion nicht schlecht.

In Sissach nun hat man zur Kenntnis genommen, dass wegen der Geisselung nicht extra ein Samariterposten eingerichtet werden muss: Baumann hat versichert, er werde sich mit seiner selbst gebastelten Geissel «nicht blutig schlagen», es gehe ihm um die Geste. – Zur Erinnerung: Lukas Baumann ist nicht nur Theologe, sondern eben auch noch Schauspieler.

Richard Clavadetscher

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