Schick und pflegeleicht

An der noch bis Sonntag andauernden Giardina zeigen die besten Gärtner der Schweiz, wie sie sich den Garten der Zukunft vorstellen. Leider gerät die Natur selbst vor lauter Whirlpools etwas ins Hintertreffen.

Katja Fischer De Santi
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So sieht der perfekte Garten 2014 aus: Preisgekrönte Sonderschau der Egli Grün AG aus Sirnach, zu sehen bis Sonntag an der diesjährigen Giardina. (Bild: pd)

So sieht der perfekte Garten 2014 aus: Preisgekrönte Sonderschau der Egli Grün AG aus Sirnach, zu sehen bis Sonntag an der diesjährigen Giardina. (Bild: pd)

Es passt gerade alles wunderbar für die 16. Giardina in Zürich Oerlikon. Der Frühling ist da und die Lust am Gärtnern und allem Grünen ist seit einigen Jahren ungebrochen. Obwohl, das Gärtnern selbst überlassen Herr und Frau Schweizer ja immer öfters den Profis. Im Garten wird nicht mehr geschwitzt und gegraben, sondern gelesen und ausgespannt.

Ganz zur Freude der Branche, welche an der grössten Indoor-Gartenmesse in Europa zeigt, was man für schöne Stunden im Grünen alles braucht (oder zumindest brauchen könnte). Gartenteiche, Holzterrassen, Rasenmähroboter, Solarduschen, Sonnensegel, Outdoor-Küchen und Lounge-Möbel sind die wichtigsten Zutaten für den Garten 2014. Der vor allem eines sein soll; pflegeleicht, oder in den Worten der Giardina-Messeleitung ausgedrückt «naturnah.» «Der Wunsch nach mehr Sinnlichkeit und Begegnung mit der Natur steht für viele Menschen wieder stärker im Vordergrund», heisst es in der Medienmitteilung.

Die Natur wird zur Nebensache

Mit der «Natur» ist an der Giardina, welche noch bis Sonntag geöffnet ist, aber so eine Sache. Denn vor lauter Gartenstühle, Whirlpools, Sonnenschirme, Pflanzengefässe und Leseecken droht die Natur selbst an der Messe etwas ins Hintertreffen zu geraten. Wenn sie dann doch mal in Erscheinung tritt, etwa in den bis ins letzte Detail von renommierten Gartenarchitekten inszenierten Ideengärten, dann wirkt sie alles andere als pflegeleicht. Zwar blühen in diesem Jahr da und dort bunte Magerwiesen statt edle Rosen oder bilden wilde Apfelbäume eine lebendige Hecke. Aber die perfekt geschnittenen Buchs-Kugeln, die speziell gezüchteten Kleinbäumchen, die schicken Blumengefässe und die künstlichen Wasserfälle sind an der Messe dennoch in der markanten Überzahl.

Ein Garten zum Leben

Einen geglückten Gegenentwurf bietet die am Mittwoch mit dem Goldenen Giardina Award ausgezeichnete Sonderschau der Ostschweizer Winkler & Richard AG aus Wängi. In diesem Garten liegt Laub in den Ecken, stehen vertrocknete Winterstauden neben blühenden Krokussen, hat es Platz für einen Sandhaufen und Kinderspielzeug. Auf der Terrasse wachsen Küchenkräuter und wollen Erdbeeren gekostet werden. Die Grillstelle sieht aus, als hätte hier soeben noch das Feuer geflackert und die Gummistiefel und Überhose am Hacken zeugen davon, dass hier auch gearbeitet wird. Ein Garten, der lebt und in dem gelebt wird. Direkt aus dem Leben gegriffen und trotzdem ästhetisch und modern. Oder wie eine Besucherin am Eröffnungsabend zu ihrer Begleitung sagte: «In diesem Garten fühlt man sich sofort zu Hause, hier will man bleiben.»

Giardina Facts

Noch bis Sonntag zeigen rund 250 Aussteller auf einer Fläche von 30 000 Quadratmeter in den Messehallen in Zürich Oerlikon Neuheiten und Produkte für Garten und Aussenbereich. Das besondere Augenmerk der Giardina liegt dieses Jahr auf den Themen «Erlebnis Terrasse, sowie «Architektur im Garten». Das Herzstück sind jedoch die 30 Sonderpräsentationen. Heute Freitag ist die Messe mit musikalischem Rahmenprogramm bis 22 Uhr geöffnet, Samstag und Sonntag von 9 bis 18 Uhr. Eine Tageskarte kostet 35 Franken.