Scheitern mit dem neuen Scheitel

Kurz nach Silvester fragt mich meine Frau: «Seit wann trägst Du denn den Scheitel links?» Gute Frage. «Schon ewig.» Kann sein, dass da noch die Mutter am Werk war. «Probieren wir es mal mit rechts», sagt meine Frau. «Ja, sieht gut aus.» Ich sehe zwar keinen grossen Unterschied.

Rolf App
Drucken
Teilen
Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Rolf App)

Kurz nach Silvester fragt mich meine Frau: «Seit wann trägst Du denn den Scheitel links?» Gute Frage. «Schon ewig.» Kann sein, dass da noch die Mutter am Werk war. «Probieren wir es mal mit rechts», sagt meine Frau. «Ja, sieht gut aus.» Ich sehe zwar keinen grossen Unterschied. Aber lassen wir's mal so stehen.

Ich mache mir noch ein paar Gedanken über Rechts- und Linksgescheitelte. Lese nach, was der Duden an Sprichwörtern bereit hält: «Vom Scheitel bis zu Sohle» etwa. Oder auch: «Jemandem den Scheitel mit der Axt ziehen.» Will heissen: jemanden erschlagen. Ob dieser Scheitel rechts oder links verläuft, spielt da keine Rolle mehr.

Noch etwas kommt mir in den Sinn. Politisch bin ich über die Jahrzehnte nach rechts gerückt. Also würde ein Rechtsscheitel vielleicht ganz gut passen. Als kleines politisches Statement sozusagen.

Doch schon am nächsten Morgen sieht die Sache anders aus. Nicht politisch, sondern haarmässig. Das fängt damit an, dass ich den Scheitel links mit dem Kamm in der rechten Hand ziehe und den Scheitel rechts mit der linken. Von Haus aus bin ich zwar Linkshänder. Aber beim Haarekämmen stelle ich mich ziemlich ungeschickt an.

Das Hauptproblem allerdings liegt darin, dass nicht nur die Hand nicht will – sondern auch die Haare. Noch nass vom Waschen, haben sie sich am Abend zuvor den neuen Verhältnissen ohne weiteres angepasst. Jetzt aber, am Morgen, sehe ich aus wie Einstein. Der hatte aber noch entschieden mehr auf dem Kopf – von dem im Kopf ganz zu schweigen.