Schaumbad à la Pretty Woman

Katie Melua kehrt nach dem elektronischen CD-Ausflug und ihrem Burn-out zu ihren musikalischen und persönlichen Wurzeln zurück. Die 29jährige Georgierin erzählt über ihr neues Album und ihr Antitalent in der Küche.

Reinhold Höhnle
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Katie Melua hat wieder zu ihren musikalischen Wurzeln zurückgefunden. (Bild: pd)

Katie Melua hat wieder zu ihren musikalischen Wurzeln zurückgefunden. (Bild: pd)

Weshalb haben Sie Ihren Taufnamen Ketevan zum Titel Ihres neuen Albums gemacht?

Katie Melua: Ich mache nun seit 10 Jahren Platten. Dieser Meilenstein weckte in mir den Wunsch zurückzublicken und führte mich bis zu meiner Geburt, nach der ich diesen, in meiner Heimat weit verbreiteten Namen – das Pendant zu Katherine – bekommen habe. Schon die ersten georgischen Königinnen haben ihn getragen. Weil er relativ lang ist, hat man mich aber immer immer Keti oder Katie genannt.

Vor 20 Jahren ist Ihre Familie nach Belfast ausgewandert. Wie haben Sie das als Kind empfunden?

Melua: Als wir Georgien verliessen, war das unheimlich aufregend. Ich kam in den Westen und konnte diesen neuen Ort entdecken. Aus Hollywood-Filmen hatte ich zwar bestimmte Vorstellungen, doch die waren natürlich völlig falsch! (lacht) Obwohl wir in Grossbritannien ein viel besseres Leben führen und ich die Chance bekam, professionell Musik zu machen, weine ich seither jedesmal am Flughafen, wenn ich nach den Sommerferien Georgien verlassen muss, da ich dieses Land wirklich vermisse.

Waren Ihre Eltern politische Flüchtlinge?

Melua: Nein, wir sind nicht verfolgt worden. Es gab zwar einen Bürgerkrieg, aber wir sind umgezogen, weil mein Vater das Glück hatte, einen Job am Royal Victoria Hospital in Belfast zu bekommen. Das eröffnete ihm, und später auch mir, bessere berufliche Perspektiven und erhöhte unsere Lebensqualität.

Was haben Sie nach der Ankunft am meisten genossen?

Melua: Ich habe zum ersten Mal ein heisses Schaumbad nehmen dürfen. In Georgien konnte man es sich wegen der chronischen Wasser- und Stromknappheit nicht leisten, eine Badewanne zu füllen. Von diesem unglaublichen Luxus hatte ich geträumt, seitdem ich in einem der wenigen Momente, in denen die Elektrizität funktionierte, Julia Roberts beim Schaumbad in «Pretty Woman» gesehen hatte.

Ihr Vater ist Herzchirurg, Ihre Mutter Pianistin. Welche Talente haben Sie von wem geerbt?

Melua: Ich kann definitiv keine Herzen operieren! Von meiner Mutter habe ich meine musikalische Ader, von meinem Vater die nachdenkliche Seite. Ich denke immer alle möglichen Szenarien durch.

Können Sie verstehen, dass man beim ersten «Ketevan»-Song «Never Felt Less Like Dancing» an Ihre Burn-out-Erfahrung denkt?

Melua: Absolut. Das ist die Magie der Musik: Sogar ein Liebeslied kann 1000 Bedeutungen haben.

Wie ist es dazu gekommen?

Melua: Viele Dinge haben meine Gesundheit beeinflusst. Ich liebe Tournéen und das Singen, aber es gibt Momente, in denen du dich nicht bereit fühlst, auf die Bühne hinauszutreten und glücklich zu wirken. Aber draussen wartet ein Publikum und du musst es einfach durchziehen. 2010 bin ich jedoch gegen eine Wand gestossen.

Wie findet man aus dieser Sackgasse heraus?

Ich glaube, ein Absturz ist manchmal eine gute Sache, ein deutliches Signal, dass etwas nicht stimmt und man hinterfragen sollte, was man macht. Ich habe keinen Ratschlag. Ich weiss auch nicht, ob ich ihn hätte annehmen können, wenn mir damals jemand einen gegeben hätte – ich war so ausser mir.

2011 musste Ihr Freund James Toseland seine Karriere als Motorradrennfahrer beenden. Fühlten Sie sich nach Ihren harten Erfahrungen reif für die Ehe?

Melua: Uns verbinden noch viele andere Dinge. Wir sind beide viel gereist und haben die Leute unterhalten – einfach auf sehr unterschiedliche Art und Weise. James musste den Sport aufgeben, den er über alles geliebt hat. Das hat nicht nur ihm, sondern auch mir wehgetan, und es war für unsere Beziehung eine Belastungsprobe. Nun ist er selbst ein Rocker und die Musik hilft, seine Wunden zu heilen.

Spielen Sie manchmal zusammen?

Melua: Nicht wirklich. Wenn wir uns sehen, gibt es zu viel, über das wir reden müssen.

Das amüsanteste Lied ist «Idiot School». Wo im Alltag bezeichnen Sie sich am häufigsten als Idiotin?

Melua: Jedesmal, wenn ich in die Küche gehe, habe ich schon eine Mordsangst, da ich weiss, dass wieder etwas passieren wird. Ich lasse die Speisen anbrennen, verkoche die Pasta, lasse Teller fallen oder erhitze das Öl so stark, dass es Feuer fängt. Es ist eine Katastrophe!

Worüber lachen Sie sonst noch?

Melua: Ich mag den schwarzen Humor von Quentin Tarantino ziemlich gut. Als ich noch jünger war und «Pulp Fiction» gesehen habe, fand ich ihn richtig witzig. Tarantino ist eigentlich ein Komiker, erntet dafür aber leider viel zu wenig Anerkennung. Meine Aussage wird Sie vielleicht etwas überraschen, weil mich meine Lieder sanfter erscheinen lassen. Ich kenne jedoch auch ein paar sehr schlüpfrige Witze, die ich jetzt nicht erzählen kann…

Katie Melua: «Ketevan» (Dramatico/Phonag). Live: 14.12. Luzern Messe Halle 1.

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