Russen, Reeder und Rokoko

Egal, ob als russischer Eisenbahnbaron, Held des prunkvollen Rokoko oder als gewiefter Schiffsbauer – bei drei spannenden Spieleneuheiten ist der clevere und strategische Einsatz von Arbeitern gefragt.

Hendrik Breuer
Drucken
Teilen
Bei «Russian Railroads» setzt man seine Arbeiter an verschiedenen Produktionsstätten ein. (Bilder: Hendrik Breuer)

Bei «Russian Railroads» setzt man seine Arbeiter an verschiedenen Produktionsstätten ein. (Bilder: Hendrik Breuer)

Die ersten langen Sonntagnachmittage auf der frühlingshaften Terrasse sind ideal, um sich mal wieder an ein längeres Gesellschaftsspiel zu wagen. Da passt es gut, dass in letzter Zeit Spiele veröffentlicht worden sind, die zum intensiven Zocken und Ausprobieren animieren Das Zauberwort des aktuellen Spielejahrgangs heisst – in bestem Neudeutsch – «Worker-Placement-Spiele». Drei spannende Exemplare dieser «Arbeiter-Einsatz-Spiele» sind «Russian Railroads», «Rokoko» und «Nauticus».

Bei «Worker-Placement-Spielen» senden die Spielenden eigene Arbeiter auf das Spielbrett, wo diese an unterschiedlichen Stationen schuften. Natürlich sind die Arbeitsplätze begrenzt und die Spieler müssen genau abwägen, wohin sie ihre Teams zum Bauen, Verkaufen, Tauschen oder Produzieren schicken. Die lieben Mitspielenden kommen einem zudem in die Quere und schnappen sich, was man selbst gerade am dringendsten benötigt. Jeder Spieler hat ein eigenes Areal, auf dem dank der ausgesandten Arbeiter etwas Grosses entsteht. Bei den hier vorgestellten Spielen werden russische Eisenbahnimperien hochgezogen, ausladende Rokoko-Kleider geschneidert und Schiffe vom Stapel laufengelassen.

Von Moskau nach Wladiwostok

Aber der Reihe nach, beginnen wir mit dem Hit der Saison: «Russian Railroads», einem der besten komplexen Spiele der letzten Jahre. Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Eisenbahnunternehmern, die daran arbeiten, lange Strecken (etwa von Moskau nach Wladiwostok) und einen Industriepark fertigzustellen. Arbeiter werden ausgeschickt, verlegen Schienen, bauen Eisenbahnen und Fabriken oder stellen Ingenieure ein. Leider benötigt man immer mehr Arbeiter, als zur Verfügung stehen. Daraus folgt, dass man schwerwiegende Entscheidungen treffen muss: Baue ich die Strecke nach Kiew aus oder soll ich Experten anheuern, die mir weiterhelfen? Muss ich meine Lokomotiven aufrüsten oder soll ich mich auf den Ausbau der Fabriken konzentrieren? Alles bringt am Ende Punkte und viele Strategien können zum Sieg führen. Man fühlt sich tatsächlich wie ein umtriebiger Unternehmer. Die Spielanleitung ist gut geschrieben; bereits nach einer Runde hat man die Abläufe verinnerlicht und kann sich auf den Ausbau des Imperiums konzentrieren. «Russian Railroads» hat alles, was zu einem Topstrategiespiel gehört!

Natürlich kann es sein, dass einem das Thema nicht so zusagt. Wladiwostok ist fern. Da kommen «Rokoko» und «Nauticus» gerade recht.

So prunkvoll wie möglich

In «Rokoko» leitet man einen Schneidereibetrieb und versucht, möglichst viel Ansehen dadurch zu erlangen, dass man Adlige mit angeberischen Kleidern und einen Ball prunkvoll ausstattet. Über allem thront König Ludwig XV., der genau beobachtet, wie sehr man sich ins Zeug legt. Die Spieler beschäftigen Meister, Gesellen und Lehrlinge, die ihre Aufträge ausführen. Doch wie immer steht man auch bei diesem «Worker-Placement-Spiel» vor dem Dilemma, dass nie genügend Züge zur Verfügung stehen, um auch wirklich alles zu schaffen. So ergeben sich Situationen, die «Rokoko» zu einem weiteren tollen Spiel für lange Frühlingsnachmittage machen.

Werftinhaber und Reeder

Dasselbe gilt für «Nauticus», bei dem man gleich drei Rollen einnimmt und Werftinhaber, Kaufmann und Reeder in Personalunion ist. Die eigenen Arbeiter bauen Schiffe, beladen und schicken sie auf grosse Reise. Das alles ist selbstverständlich leichter gesagt, als getan. «Nauticus» ist ein gelungenes Tüftelspiel mit besonderem Element: einer Drehscheibe, auf der zu Beginn der Runde Aktionen ausgewählt werden, die dann jeder Spieler der Reihe nach durchführt. «Nauticus» wird durch diese Entscheidungen am Rundenanfang noch ein bisschen strategischer und zu einer sehr herausfordernden Angelegenheit.

Es ist im Grunde nicht wichtig, ob man nun zum Eisenbahnbaron, Held des Rokoko oder Schiffsbaumagnaten aufsteigen will. Was zählt, ist, dass die neuen Arbeiter-Einsatz-Spiele so schnell nicht langweilig werden und den Familien- wie auch den Freundeskreis unterhalten.

In «Nauticus» setzt man seine Arbeiter auf einer Drehscheibe ein.

In «Nauticus» setzt man seine Arbeiter auf einer Drehscheibe ein.

Aktuelle Nachrichten