Royale Action auf dem Teppich

«Spectre», der neue James-Bond-Film, hat in London Weltpremiere gefeiert. Vor der Royal Albert Hall liess sich Daniel Craig – zum vierten Mal in der 007-Rolle – feiern. Auch die Royals verliehen dem Anlass Glamour.

Jochen Wittmann/London
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Prinz Harry mit Bond-Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Sam Mendes (v. l.). (Bild: ap/Joel Ryan)

Prinz Harry mit Bond-Produzentin Barbara Broccoli und Regisseur Sam Mendes (v. l.). (Bild: ap/Joel Ryan)

Für Grossbritannien ist es der Film des Jahres. Drei Jahre hatte man warten müssen; seit Wochen fieberte das Land dem Ereignis entgegen. Zeitungen brachten Sondereditionen heraus oder verteilten Gratis-DVDs mit Exklusiv-Vorschauen. Der Fernsehsender ITV erreichte ein Millionenpublikum mit einer Sendung, die hinter den Kulissen die Produktion des Streifens nachzeichnete. Die «Times» widmete eine ihrer Beilagen den unterschiedlichsten Aspekten des Bond-Kultes: von den raffiniertesten Martini-Rezepten über die besten Titelsongs bis zu den erfolgreichsten Anmachsprüchen des Frauenhelden im Dienste der Majestät – alles, was die Fans begehren.

Auch Royals im Bond-Fieber

Gestern abend erreichte der Hype seinen Höhepunkt. «Spectre», der neue James-Bond-Film, feierte in London Weltpremiere. Neben den Hauptdarstellern Daniel Craig und Christoph Waltz stellten sich auch Naomie Harris als Miss Moneypenny, Ben Wishaw (Q) und der MI6-Chef Ralph Fiennes (M) dem Blitzlichtgewitter auf dem roten Teppich. Zudem verliehen die Royals dem Anlass Glamour: Prinz William, seine Frau Kate und Bruder Prinz Harry liessen sich das Spektakel nicht entgehen.

Mehr als ein Actionfilm

Während auch in der Schweiz, wo «Spectre» erst am 5. November in die Kinos kommt, ein neuer Bond-Film ein cineastisches Grossereignis ist, bedeutet die Premiere in Grossbritannien Grösseres. Schliesslich gilt James Bond als nationale Ikone, als Galionsfigur, die das Land repräsentiert und dessen Kultur widerspiegelt. Seit über 50 Jahren und in bisher 24 Fortsetzungen erzählt die Filmserie, wie ein «Englishman» die Welt rettet, eigenhändig und mit Stil. Und so funktionieren die Filme als eine Art nationale Selbstverständigung. Das macht sie für die Briten zu mehr als blossen Actionstreifen.

Die Zutaten für einen guten Bond-Film sind bekannt. Ein Held, der im Kugelhagel, in einem einstürzenden Haus und unter Folter cool bleibt: Daniel Craig achtet stets darauf, dass die Manschetten unter dem Jackett ordentlich sitzen. Schöne Frauen, die Bond verfallen: diesmal Witwe Lucia Sciarra (Monica Bellucci) und Psychologin Madeleine Swann (Léa Seydoux), sie haben jede auf ihre Art Stil und Courage. Einen Schurken mit Weltherrschaftsambitionen, der Bond glänzen lässt: Christoph Waltz spielt den unheimlichen Franz Oberhauser mit Bravour.

Das Thema des neuen Films könnte aktueller kaum sein. Ein mächtiger Bürokrat taucht auf der MI6-Bildfläche auf; er glaubt nicht an Doppelnull-Agenten mit der Lizenz zum Töten, sondern an Kontrolle durch totale, international vernetzte Überwachung. Das klingt verdächtig nach NSA, und genau das soll es auch. Whistleblower Edward Snowden wird seine Freude haben, denn «Spectre» bezieht klar politisch Stellung.

Bond-Pulli ausverkauft

Dennoch stehen die Bond-Macher nach dem gigantischen Erfolg des letzten Streifens unter Druck: «Skyfall» war der bisher erfolgreichste Film und hat über eine Milliarde Dollar weltweit eingespielt. «Spectre» hat rund 300 Millionen Euro gekostet, allein 30 Millionen Euro sollen dabei für Autos draufgegangen sein, die während der Produktion zu Schrott gefahren wurden. Doch kein Zweifel, dass die Investitionen wieder eingefahren werden – mit reichlichem Bonus. Allein das Product-Placement für Marken wie Omega-Uhren, Bollinger-Champagner, Aston-Martin-Autos oder Tom-Ford-Anzüge hat viel Geld in die Kassen gespült. Wie gut diese Art von Werbung funktioniert, demonstrierte der schwarze Kaschmir-Pullover der Londoner Marke N. Peal, den James Bond auf dem «Spectre»-Plakat trägt: Er war in kürzester Zeit ausverkauft.

Craig dicht hinter Connery

Daniel Craig hatte seine Fans jedoch zutiefst verunsichert, als er in einem Interview über den Druck sprach und erklärte, dass er sich lieber die Handgelenke aufschlitzen würde, als einen weiteren Bond-Film zu drehen. Seither ist er zurückgerudert und meinte gegenüber der BBC: «Ich sage Dinge, wenn ich sie fühle, dann ändere ich meine Meinung.»

Hoffen wir, dass er bleibt. Craig hat die Bond-Figur mit psychologischer Tiefenschärfe ausgestattet. In Zusammenarbeit mit Regisseur Sam Mendes hat er aus einem scherenschnittartigen Actionhelden einen verletzlichen, fehlbaren, doch immer siegreichen 007 gemacht. Wer war der beste Bond-Darsteller, wird gern gefragt. Laut einer kürzlichen Umfrage führt immer noch Sean Connery das Feld an, aber Craig liegt auf Platz zwei und könnte dem Schotten mit «Spectre» den Rang ablaufen.

Fliegt als 007 in ein neues Abenteuer: Daniel Craig spielt in «Spectre» schon zum vierten Mal die Rolle des Geheimagenten James Bond. (Bild: Sony Pictures)

Fliegt als 007 in ein neues Abenteuer: Daniel Craig spielt in «Spectre» schon zum vierten Mal die Rolle des Geheimagenten James Bond. (Bild: Sony Pictures)

Auch Prinz William und seine Frau Kate kamen zur Premiere von «Spectre». (Bild: ap/Joel Ryan)

Auch Prinz William und seine Frau Kate kamen zur Premiere von «Spectre». (Bild: ap/Joel Ryan)

Shirley Bassey, sie hat mehrere Bond-Song-Klassiker gesungen, winkte ihren Fans zu. (Bild: ap/Joel Ryan)

Shirley Bassey, sie hat mehrere Bond-Song-Klassiker gesungen, winkte ihren Fans zu. (Bild: ap/Joel Ryan)

Daniel Craig mit den Bond-Girls Léa Seydoux und Monica Bellucci (r.). (Bild: epa/Andy Rain)

Daniel Craig mit den Bond-Girls Léa Seydoux und Monica Bellucci (r.). (Bild: epa/Andy Rain)