Rosa Buben und grüne Mädchen

Der Kleiderständer im Sportgeschäft spricht eine deutliche Sprache. Zwanzig Kinderskianzüge in allen Rosatönen hängen da, die zwei letzten dunkelblauen Jacken wirken darin reichlich exotisch.

Katja Fischer De Santi
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Katja Fischer De Santi)

Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Katja Fischer De Santi)

Der Kleiderständer im Sportgeschäft spricht eine deutliche Sprache. Zwanzig Kinderskianzüge in allen Rosatönen hängen da, die zwei letzten dunkelblauen Jacken wirken darin reichlich exotisch. Die Verkäuferin meint dazu: «Ist immer so, die Bubenfarben sind sofort weg, auf dem Mädchenfarben bleiben wir sitzen.» Dies, weil viele Mädchen gerne Blau und Grün tragen würden, umgekehrt es aber keine Buben gebe, die in einer pinken Skijacke Schnee und Eis trotzen wollten.

Warum eigentlich? Warum ist es für Mädchen cool, sich wie ein Bub zu kleiden. Buben werden jedoch beim kleinsten Fetzen Rosarot als Mädchen beschimpft. Wehe der Mutter, die es wagt, ihren Sohn mit einer lila Jacke nach draussen zu lassen. Gemein sei das, der werde doch verhauen, mit so einer «Mädchen»-Jacke. Der Bub realisiert schnell, dass da was nicht stimmt mit diesen Rosa- und Lilatönen. Ja, dass Mädchenfarben per se einen ganz schlechten Einfluss auf seine noch nicht vorhandene Männlichkeit haben. Dass er, trägt er allzu lange Pink, gar selbst zum Mädchen werden könnte – sprich, ein weinerliches, verletzliches, unselbständiges Geschöpf.

Sie merken schon, auf was ich hinauswill. Frauen und Mädchen haben sich erstritten, dass sie die gleichen Farben, die gleichen Hosen tragen können wie Männer und Buben. Nun ist es an der Zeit, dass die Männer ihren Buben erklären, dass an Rosa und Lila nichts Schwächliches ist. Noch besser wäre, Eltern würden es hinkriegen, niemals die Begriffe Mädchen- und Bubenfarben zu benützen. Aber dahin ist es ein langer Weg.