Roman Polanski sorgt für rote Köpfe

Alle Jahre wieder: Wenn in Locarno das Filmfestival ansteht, wachen rechtskonservative Politiker mit Argusaugen darüber, dass nichts Unanständiges geschieht. Schnell wittern sie einen Skandal. Und fast immer finden sie ein Haar in der Suppe.

Gerhard Lob
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Yellow line notepad with pen on top isolated on a white background. (Bild: Gerhard Lob)

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Alle Jahre wieder: Wenn in Locarno das Filmfestival ansteht, wachen rechtskonservative Politiker mit Argusaugen darüber, dass nichts Unanständiges geschieht. Schnell wittern sie einen Skandal. Und fast immer finden sie ein Haar in der Suppe. 2010 sorgte die Vorführung des angeblichen Porno-Streifens «L. A. Zombie» für einen Sturm der Entrüstung. Im letzten Jahr war die Anwesenheit des ehemaligen italienischen Rotbrigadisten Giovanni Senzani, Protagonist im Film «Sangue» (Blut), umstritten, genauso wie die Ausstrahlung des Films «Feuchtgebiete».

Dieses Jahr ist Regisseur Roman Polanski ins Fadenkreuz der rechtskonservativen Politiker geraten. Der weltbekannte Regisseur wird am Abend des 14. August mit seiner Frau Emmanuelle Seigner den Film «Venus im Pelz» auf der Piazza Grande präsentieren.

Die kantonale CVP spricht von einer «Provokation, die den Sinn für Gerechtigkeit und Menschlichkeit verletzt». Die eigenen Grossräte werden aufgefordert, den Empfang des Filmfestivals zu boykottieren. Fraktionschef Fiorenzo Dadò sagt, das Festival dürfe einen «flüchtigen pädophilen Vergewaltiger» nicht ehren. SVP-Nationalrat Pierre Rusconi hat aus Protest zwei Gratisfestivalpässe zurückgegeben.

1977 soll Polanski eine damals 13-Jährige missbraucht haben. Seitdem droht ihm die Auslieferung an die USA. 2009 wurde er auf dem Zürcher Flughafen festgenommen. Die Wogen gehen auch jetzt wieder hoch. Pünktlich hat in Locarno wieder die Polemik eine Hauptrolle bekommen.

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