ROCK: Die zwei mögen’s laut

Die beiden besten Freunde von Royal Blood rollen mit ihrem Album «How Did We Get So Dark?» zum zweiten Mal das internationale Rockgeschehen auf.

Steffen Rüth
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Mike Kerr und Ben Thatcher wurden ungewollt zur Hoffnung des britischen Rock ’n’ Roll erklärt. (Bild: Warner)

Mike Kerr und Ben Thatcher wurden ungewollt zur Hoffnung des britischen Rock ’n’ Roll erklärt. (Bild: Warner)

Steffen Rüth

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@tagblatt.ch

Wie sie schon da hocken, nah beieinander auf einem Sofa während des Pressetermins in Berlin. Aber Mike Kerr und Ben Thatcher haben ja nur sich. Es gibt keine weiteren Musiker bei Royal Blood. Kurz spielten die beiden Jungs, die gemeinsam in der Nähe von Brighton aufwuchsen und bis heute in der Küstenstadt leben, zusammen in einer vierköpfigen Band. Dann ging Kerr für eine Weile nach Australien, und als er heimkam beschloss man, es als Duo zu versuchen. Der Name Royal Blood stand auch von Anfang an fest. 2013 war das. «Im ersten Jahr konnten wir kaum ein Konzert in einer Dorfkneipe bekommen, es war echt zäh.» Das Blatt wendete sich dann rasant, als das Management der Arctic Monkeys auf die beiden aufmerksam wurde.

Man spielt mit den Foo Fighters und mit Metallica, Jimmy Page von Led Zeppelin sagte öffentlich, wie fantastisch er die Musik der beiden finde und dass Royal Blood eine lang nicht gehörte Frische in die Rockmusik brächten. Das ist also jetzt der Stand: Mike Kerr und Ben Thatcher sind mit ihrem kernigen wie erdigen Bluesrock so etwas wie die versehentlichen Retter des britischen Rock ’n’ Roll. Tatsächlich gibt es ja kaum junge Bands, die solch harte, schön knallende Rockmusik machen wie Royal Blood.

Treibende, mitreissende Songs mit grossem Sound

Auf ihrem neuen Album schaffen es die zwei erneut, mit kleiner Besetzung so riesengross zu klingen, dass es eine wahre Freude ist. Wie genau sie das hinbekommen, darüber schweigen sie sich lächelnd aus. Auf «How Did We Get So Dark?» passiert musikalisch an allen Ecken und Enden etwas, Stücke wie die Single «Lights Out» oder die sehr treibenden «I Only Lie When I Love You» und «Look Like You Know» treiben förmlich den Schweiss auf die Stirn des Hörers, lang schon nicht mehr klang Rockmusik so packend und mitreissend. Und dass Mike Kerr zeitlebens ein grosser Michael-Jackson-Fan war, kommt den oft fein ausgearbeiteten Melodien sehr zugute. «Das erste Album sollte unseren Sound etablieren, das zweite jetzt soll explodieren.»

Wer sich intensiver mit der Platte beschäftigt, der wird feststellen, dass bei aller Dynamik und kraftvollen Temporockausgelassenheit auch einiges an Düsternis mitschwingt. Vor allem zum Ende hin werden die Songtexte immer hoffnungsärmer, beide fuhren langjährige Beziehungen an die Wand. «Don’t Tell» oder «She’s Creeping» sind glasklare Trennungssongs. «Gebrochene Herzen sind das beste Thema für Songs», sagt Mike Kerr. Im Moment sei es sowieso nicht leicht, eine vernünftige Beziehung zu führen. «Wir sind noch jung, und wir spielen in einer Rock-’n’-Roll-Band. Das ist einer der besten Jobs der Welt. Vor allem, wenn du ihn gemeinsam mit deinem besten Freund erlebst.»

Royal Blood: «How Did We Get So Dark?», Warner Bros. Konzert: 3. November in der Halle 622 in Zürich