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«Rexer bekommt einen Oscar»

Hansruedi Kugler
Florian Rexer hat die Schlossfestspiele Hagenwil mit unterhaltsam inszenierter Weltliteratur als erfolgreiches Sommertheater etabliert. (Bild: Nana do Carmo)

Florian Rexer hat die Schlossfestspiele Hagenwil mit unterhaltsam inszenierter Weltliteratur als erfolgreiches Sommertheater etabliert. (Bild: Nana do Carmo)

Das einschneidendste Ereignis in diesem Jahr war die Geburt meines Sohnes. Er kam in der Premierennacht unserer Schlossfestspiele in Hagenwil zur Welt. Meine deutsche Verwandtschaft hielt die Kurznachricht zuerst für einen typischen Rexer-Scherz. Ich hatte etwas doppeldeutig geschrieben: Rexer bekommt ­einen Oscar. Der kleine Mann steht seither eindeutig im Vordergrund, was für mich eine tolle Erfahrung ist: Es ist auch mal schön, nicht immer selbst im Mittelpunkt zu stehen. Man lernt ja ohnehin bei einer Geburt wahnsinnig viel. Da steht man fassungslos staunend daneben und spürt schlicht Demut. Für mich war klar, dass ich bei der Geburt meines Kindes dabei sein will. Und ich muss sagen, nun verstehe ich wirklich, was dieser Spruch bedeutet, den man ja auch bei Theaterprojekten leichtfertig sagt: Es sei eine schwere Geburt gewesen.

Im Theater ist dieses Jahr vieles sehr gelungen. Gogols Revisor war ein grosser Erfolg – und meine jahrelange Arbeit in Hagenwil setze ich natürlich im kommenden Jahr fort: Im Sommer führen wir Dürrenmatts «Die Physiker» auf. In den letzten Jahren spielten wir Shakespeare, Wilde und Gogol, nun wollte ich etwas Schweizerisches machen. Vor zehn Jahren war ich als Regieassistent am Theater St. Gallen bei der Inszenierung des ­Dürrenmatt-Klassikers beteiligt – ein ­tolles, immer noch aktuelles Stück.

Für «Die Physiker» habe ich dieses Jahr das Cern besucht

Mit dem Schloss Hagenwil haben wir ­einen besonders stimmigen Spielort für «Die Physiker». Das etwas abgelegene Schloss könnte man sich gut als Rückzugsort, als Sanatorium und Versteck für den Physiker Johann Wilhelm Möbius vorstellen, der sich für verrückt erklärt, damit die Welt sich nicht an seiner Entdeckung vergreift und sie missbraucht. Kommt hinzu, dass der späte Niklaus Meienberg sich in der Zeit des ersten Golfkriegs 1991 ein halbes Jahr lang in dieses Schloss Hagenwil zurückgezogen hat, als er in seinem Verfolgungswahn dachte, die Geheimdienste seien hinter ihm her. Ein Stück von Dürrenmatt aufzuführen, braucht Nerven. Die Stückrechte sind teuer und wir mussten dem Verlag die Strichfassung vor­legen. Dürrenmatt hat auch verboten, Frauenrollen von Männern und Männerrollen von Frauen spielen zu lassen. «Die Physiker» ist ein bitter-ernstes Stück, in dem aber viel Komik liegt. Möbius wird sich seiner Verantwortung bewusst, auch weil er Kinder hat. Als frisch ge­backener Vater spricht mich das an. Die Komik ­findet sich bei den Spionen, die im Irrenhaus Newton und Einstein spielen. Ich hatte dieses Jahr Gelegenheit, mit einem ­leitenden Physiker das Cern in Genf zu besuchen – als Vorbereitung für meine ­Inszenierung. Und ich war beeindruckt, wie uneitel die Wissenschafter sind, wie transparent sie ihre Erkenntnisse für alle Welt machen. Ihre Faszination für die Frage nach dem Anfang der Welt hat mich sehr berührt.

2016 war für mich ein wunderbares, intensives Jahr. Ich bin etwas erschöpft und fliege im Januar mit meiner Frau und meinem Sohn nach Indien. Erstens für Yoga und zweitens werde ich dort an der Götti-Rolle arbeiten. Mit dieser Rolle habe ich 2015 den Comedy-Award gewonnen, aber mit dem Regisseur Paul Steinmann will ich die Rolle schau­spielerisch weiterentwickeln.

Notiert: Hansruedi Kugler

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