Reich werden im Schlaf: Ein Wintermärchen

Es soll ja Leute geben, die glauben, was Jahr für Jahr am letzten Samstag im Oktober medial verbreitet wird: dass uns allen in der kommenden Nacht eine Stunde Schlaf geschenkt werde.

Bettina Kugler
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Für Bettina Kugler (Bild: Bettina Kugler)

Für Bettina Kugler (Bild: Bettina Kugler)

Es soll ja Leute geben, die glauben, was Jahr für Jahr am letzten Samstag im Oktober medial verbreitet wird: dass uns allen in der kommenden Nacht eine Stunde Schlaf geschenkt werde. Wellness pur, für einmal völlig gratis! Obwohl ich es langsam müde bin, Schlafmangel als allzeit passenden Grund für die chronisch gewordene Zerstreutheit, Unternehmungsunlust und Nervenschwäche vorzubringen (immer mit unterdrücktem Gähnen und kosmetisch hoffnungslosen Augenringen), muss an dieser Stelle wieder einmal gesagt werden: Wer diese Nacht Tür an Tür mit Kindern unter zehn verbringt, erlebt am Sonntag danach den längsten Tag im Jahr. Besonders, wenn die Kinder bereits die Uhr lesen können. Das aber nur abends.

Natürlich könnte man ab diesem Datum einfach wie gewohnt zu Bett gehen: Sagen wir um 23 Uhr Sommerzeit, abzüglich der «geschenkten» Stunde, also um 22 Uhr mitteleuropäischer Zeit. Doch wer schafft das schon, nach einem langen, viel zu kurzen Tag mit unsortierten Kleiderbergen, verschwundenen Hausaufgabenblättern, vergessenen Znüniboxen, verstaubten Möbeln, ungeschriebenen Texten, dringenden Telefonaten, den Aufgaben eines Zahnpflege-, Orthographie-, Würfeladditions- und Was-weiss-ich-noch-alles-Assistenten?

Was die geschenkte Stunde Schlaf angeht: Laut einer US-Studie ist sie ein Vermögen wert. Die Diskrepanz im Wohlbefinden zwischen jenen, die diese Stunde haben, und jenen, die sie gerne hätten, sei so gross wie bei 60 000 Dollar Differenz des Jahressalärs, behauptet die Studie. Na dann: Gute Nacht! Möglichst schon um 21 Uhr.