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PUBERTÄT: Wie Eltern ihre pubertierenden Kinder behandeln sollten

Das Erwachsenwerden kann Jugendlichen zu schaffen machen und Eltern nerven. Eine Ärztin sagt, was in Teenagern vorgeht. Und warum Eltern und Kinder nicht beste Freunde werden sollten.
Sarah Coppola-Weber
In der Pubertät sind Kinder besonders gestresst: Von der Schule, den Eltern, der ersten Liebe. (Bild: Getty)

In der Pubertät sind Kinder besonders gestresst: Von der Schule, den Eltern, der ersten Liebe. (Bild: Getty)

Die Eltern verstehen die Welt nicht mehr: Was ist aus dem lieben Bub geworden, der sich vor dem Einschlafen so gerne an Mami kuschelte und nun jede Art von Körperkontakt meidet? Was aus dem herzigen Mädchen, das am Esstisch alle Anwesenden vollplapperte und nun kaum mehr ein Wort von sich gibt? «Während der Pubertät reifen die angehenden Erwachsenen körperlich und seelisch, aber ­diese Entwicklung passiert nie gleichzeitig», sagt Suzanne Erb, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychologie. Normalerweise gehe die körperliche der seelischen Reifung voraus, was zu Spannungen führt.

Einerseits wollen die Jugendlichen schon gross und unabhängig sein, sich selber und ihre Lebensaufgabe finden, andererseits brauchen sie Halt und Unterstützung. «Sie streben nach mehr Autonomie, sie loten Grenzen aus, das gehört zu diesem Entwicklungsalter», sagt Erb. Ebenso die Identitätsfindung mit Fragen wie «Wer bin ich? Wer will ich sein? Was ist meine Aufgabe in der Gesellschaft?» Um sich selber zu finden, müssen Teenager zuerst auf Distanz gehen. Sämtliche grossen Lebensthemen ­werden im Entwicklungsalter der Adoleszenz aktuell und neu aufgemischt.

Dieser Prozess dauert unterschiedlich lange, in der westlichen Gesellschaft zieht er sich bis zum 25. Lebensjahr hin, sagt Erb. Darin liegt auch ein Potenzial: Denn Jugendliche ­setzen Entwicklungsimpulse, stellen die bisherige Ordnung in Frage. Wirbeln die Gesellschaft auf und bringen frischen Wind rein.

Jugendliche wollen gehört werden

«Je lautstärker die Jugendlichen ihre Freiheit einfordern, desto grösser ist ihr Ruf nach Rückhalt», sagt Suzanne Erb. Während sie cool daherkommen und selber über ihr Leben bestimmen wollen, sind sie sich insgeheim bewusst, immer noch emotional, sozial und materiell abhängig zu sein. Dazu gesellen sich steigende Anforderungen von Elternhaus und Gesellschaft. «Jugendliche brauchen Halt, damit sie in diesem Spannungsfeld keine seelischen Störungen entwickeln», sagt Erb.

Verhaltensauffällig­keiten, Depressionen verbunden mit Suizidgedanken oder Selbstaggressionen wie Ritzen, Alkoholexzesse oder Drogenkonsum deuten darauf hin, dass ihr Leben aus der Rolle läuft. «Jugendliche senden Botschaften, nicht nur verbal, auch mit ihrem Verhalten.» Aufhorchen sollten Eltern, sobald das Kind sein Verhalten ändert, sich zurückzieht, Hobbys aufgibt oder bei den Schulleistungen nachlässt. Auch massive Selbstzweifel und Suizidabsichten, ob per Brief, SMS oder Facebook ausgedrückt, müssen ernst genommen werden.

Wie soll man als Eltern darauf reagieren, wenn man erst einmal geschockt ist? «Zuhören und ­reden», rät die Fachfrau. Auch wenn es anstrengend werden könnte, soll man in Beziehung bleiben und Interesse zeigen. Gespräche führen darüber, wie man sich als Eltern dabei fühlt, was einem Sorgen bereitet und das Kind fragen, wie es ihm geht. «Auch wenn es die Situation herunterspielt und die Gespräche in Auseinandersetzungen enden: Das Kind nimmt das Interesse des Erwachsenen wahr, auch wenn es einem das Gegenteil vermittelt.» Das gilt auch in Sachen Social Media: Eltern sollen ihr Interesse signalisieren und über Gefahren sprechen. «Wach zu sein, sich zu interessieren und sich nicht von oberflächlichen Antworten abspeisen zu lassen, ist der beste Schutz fürs eigene Kind», sagt Suzanne Erb.

Auch wenn Eltern und heranwachsende Kinder sich immer mehr auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt begegnen, heisst das nicht, dass Eltern beste Freunde werden sollen. Freunde gibt es viele, Eltern nur einmal. Trotz komplizierteren ­sozialen Beziehungen sei die Bereitschaft der Eltern, mit ihren Jugendlichen in Kontakt zu bleiben, heute grösser.

Sie wollen spüren, dass sie anderen nicht egal sind

Durch die schwierige Kontrolle über Gefühle und Impulse haben Jugendliche, vor allem Männer, das Bedürfnis, Risiken auszuprobieren und Grenzen auszuloten. Die Fähigkeit, Gefahren einzuschätzen, kann je nach Situation geringer sein. Als Eltern soll man am Ball bleiben und die Sorgen darüber aussprechen. Auch wenn man Gefahr läuft, deswegen vom Jugendlichen ausgelacht zu werden: «Sie möchten erleben, dass da jemand ist, der sich ihretwegen Sorgen macht, dem sie nicht egal sind», sagt Suzanne Erb. Und das Gefühl vermittelt bekommen, für jemanden wichtig zu sein.

Was Eltern tun können

• Sich für die Aktivitäten der Jugendlichen interessieren

• Nachfragen, das Gespräch suchen

• Über die eigenen Gefühle und Sorgen sprechen

• Grenzübertritte signalisieren und darauf reagieren

• Aufhorchen, wenn die ­Jugendlichen das Verhalten ändern

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