Psychotropical: Im knallbunten Unterholz der Mode

Katja Fischer De Santi
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Mode Die Mode sei der Zeit stets voraus, heisst es. Was 2016 auf den Laufstegen gezeigt wurde, wird 2017 noch lange nachhallen. Die schulterfreien Carmen-Auschnitte werden den Frauen im kommenden Sommer erst recht von den Schultern rutschen. Streifen auf Shirts und Hosen waren und werden nie verkehrt sein. Und unsere (Statement-)Ärmel werden so lang und opulent werden, dass damit ans Arbeiten nicht mehr zu denken ist. Ganz generell soll laut Trend-Spottern die Mode noch bunter, noch üppiger, noch dekadenter daher kommen. Modischer Minimalismus ist passé. Zu Trump und Co. passt der Maximalismus besser. Der New Yorker Trend-Forecasting-Dienstleister WGSN hat dafür auch schon einen Namen parat: psychotropical. Klingt wie ein Drogentrip auf LSD und sieht auch genau so aus. Wilde Dschungel-Prints in allen Farben des Regenbogens, Sonnenuntergänge und Mustermix bis einem die Augen übergehen. Prada und Alexander McQueen haben gezeigt, wie es geht. Die neuen digitalen Drucktechniken werden an ihre Leistungsgrenze gebracht. «Hyperreale Wahrnehmung der Natur» nennen das die Trend-Prognostiker.

Dazu passt ein anderer modischer Trend: «Post-Human» beschreibt von künstlicher Intelligenz inspirierte und durch neue technische Materialien ermöglichte Kleidungsstücke. Diese bereits jetzt ultraleichte, hochatmungsfähige und thermoregulierende Kleidung beginnt im neuen Jahr zu leuchten, kann kommunizieren, hat vielleicht gar eine flüssige oder metallische Oberfläche und ist dank 3 D-Drucker perfekt auf den Körper abgestimmt. Wem das alles zu futuristisch ist, der wird sich im dritten Trend wohler fühlen: Surf Gypsy. Für all jene, die gekleidet in luftigen Saigons, gehäkelten Tops und weissen Leinenhosen lieber am Strand Yoga machen, als sich mit stürmischen Zeiten zu befassen.

Katja Fischer De Santi