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PRO UND CONTRA: Panini-Bilder: Sammelspass oder reine Geldverschwendung?

Es wird wieder geklebt: Kommende Woche ist Verkaufsstart der Paninibilder für die Fussballweltmeisterschaft in Russland. Sinn oder Unsinn? Unsere Redaktoren sind sich uneinig.
Arcangelo Balsamo (l.) und Martin Rechsteiner.

Arcangelo Balsamo (l.) und Martin Rechsteiner.

Pro: Wenn ich ein Päcklein öffne, fühle ich mich wieder wie ein Kind

(Arcangelo Balsamo, Volontär)

Ich erinnere mich, als wäre es erst gestern gewesen. Ich war sieben Jahre alt, begeisterter F-Junior, verlor gerade meinen ersten Milchzahn, und die Weltmeisterschaft in den USA stand vor der Tür. Kaum erhielt ich Sackgeld, rannte ich an den Kiosk und verprasste es für Panini-Bilder. Blättere ich das Album von damals heute durch, fühle ich mich wieder wie ein Kind. Und so werde ich mich am Freitag in einer Woche fühlen, wenn ich das erste Päcklein der Bilder für die WM in Russland öffne.

Gibt es Sinnvolleres, als Geld für Panini-Bilder auszugeben? – Selbstverständlich. Dennoch kann ich jeweils nicht widerstehen, wenn mich die Kioskverkäuferin fragt, ob ich welche kaufen möchte. Ich habe es durchaus versucht und blieb in manchen Jahren während mehrerer Wochen nach Verkaufsstart standhaft, aber kaum öffnete ich jeweils das erste Päcklein, war ich bereits wieder infiziert. Deshalb versuche ich gar nicht mehr, mich dem Drang zu widersetzen, und lege mit dem Sammeln los, sobald die Bilder auf den Markt kommen.

Das Kaufen, Tauschen und Einkleben der Fussballerporträts versetzt mich nicht nur zurück in meine Kindheit, sondern lässt in mir auch die Vorfreude auf den anstehenden Fussballsommer aufkeimen. Damit diese möglichst lange anhält, lasse ich mir mittlerweile Zeit beim Füllen des Albums. Vorbei sind die Zeiten, in denen das Album bereits im April oder Mai voll war und ich lediglich noch den Spielplan auswendig lernen konnte beim Durchblättern der Seiten.

Die doppelten Bilder loszuwerden, war als Kind ein Leichtes. In der Primarschule lief praktisch jeder mit einem Stapel davon herum. Als Erwachsener stiess ich dabei an meine Grenzen. Wo treffe ich Leute, die ebenfalls einen Tauschpartner suchen, fragte ich mich. Hilfe fand ich im Internet. Auf Online-Tauschbörsen können Sammler die doppelten und die noch fehlenden Bilder eintragen: eine mühsame Arbeit. Aber eine, die sich lohnt. Anhand der Einträge findet ein Programm nämlich den passenden Sammler für ein Tauschgeschäft. Die Bilder werden dann per Post verschickt. Und so freue ich mich in den Monaten vor den Turnieren nicht bloss auf jede Menge Fussball, sondern auch darüber, dass mein Briefkasten für einmal nicht nur ausschliesslich mit Rechnungen gefüttert wird.

Contra: Kinder können nicht, Erwachsene dürfen nicht

(Martin Rechsteiner, Redaktor)

Nach der Grippewelle kommt jetzt das Panini-Fieber. Die meisten sind immun gegen diese Geldverschwendung. Und wer als Erwachsener trotzdem «erkrankt», will es oft geheimhalten. Zuerst gilt es hier festzuhalten, dass das Sammeln von Panini-Bildern natürlich kein Schwerverbrechen ist. Es ist schön, dass jeder mit seinem Geld tun kann, was er will.

Aber damit wären wir beim ersten Punkt, bei dem sich ein Fussballfan fragen sollte, ob er sich der Panini-Manie hingeben sollte: das Geld. Das Deutsche Magazin «Welt» hat 2016 ausgerechnet, wie viel Geld ein Sammler hinblättern muss, um das damalige Panini-Album der EM in Frankreich mit seinen 96 Seiten und 680 freien Feldern mit Stickern zu füllen. Damals gab es ein Tütchen mit 5 Bildern für einen Franken. Selbst im Optimalfall, wenn beim Kauf keiner der Sticker doppelt vorkommt, hätte ein volles Album 136 Franken gekostet. In der harten Sammlerrealität gibt es dieselben Bilder immer und immer wieder. Mit Wahrscheinlichkeitsrechnung kam das Magazin zu folgendem Schluss: Im Schnitt musste der Panini-Sammler 747 Stickertütchen kaufen, um sein Album vollzukriegen – also 747 Franken ausgeben. Für das Geld könnte sich ein Fussballfan zurzeit ein Ticket für ein WM-Spiel in Moskau kaufen, inklusive Hin- und Rückflug. Aber eben. Jeder muss selber wissen, was er mit seinem Geld anstellt.

Die 747 Franken zeigen auch, dass das Sammeln von Panini-Bildern eine deprimierende Angelegenheit ist, bei der es nur Verlierer gibt: Im Kindesalter, wenn man für die Sammlerwut noch empfänglicher ist und diese ohne Scham leben darf, ist es schon illusorisch, überhaupt auch nur mehr als zwei Drittel des Albums vollzukriegen. Selbst die schönen Glitzer-Sticker, die man soeben auf dem Pausenplatz ertauscht hat, erblassen beim Anblick der vielen leeren Albumseiten und Felder, die einfach nicht weniger werden wollen. Im Erwachsenenalter hingegen, wenn die finanziell Kraft für ein volles Album reicht, liegen die Interessen in der Regel woanders als bei Panini und Co. Und wer trotzdem sammelt, aber Kritik und Häme scheut, muss seine 747 Franken im Geheimen ausgeben. Das Tauschen erfolgt emotionslos und mehr oder weniger anonym per Internet. Entsprechend klein bleibt die Freude über ein volles Album – man kann sie mit niemandem teilen.

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