PRO UND CONTRA: E-Bike: Feine Sache oder Sportgerät für Unsportliche?

Immer mehr Unfälle passieren mit E-Bikes. Gleichzeitig erobern die Velos mit Elektromotor die Strassen und Mountainbike-Strecken. Eine Kontroverse zum E-Bike.

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E-Mountainbikes erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. (Bild: Keystone)

E-Mountainbikes erfreuen sich immer grösserer Beliebtheit. (Bild: Keystone)

"Eine feine Sache, wenn nur der Verkehr nicht wäre"


(Thomas Griesser Kym, Stv. Leiter Nachrichten & Politik )

Einer muss ja schuld sein. In diesem Fall halt der Alkohol. Weil immer mehr E-Bike-Fahrer angeheitert unterwegs seien, gebe es mehr Unfälle mit den Elektroflitzern. Aber als Ausgleich wird ja demnächst der Ausschank von Bier und Wein an der Autobahn erlaubt, auf dass auch die Automobilisten tiefer ins Glas schauen können. Jetzt mal ernsthaft: Ich führe die Zunahme an Crashs vielmehr darauf zurück, dass die Zahl der E-Bikes ständig und rasant zunimmt. Ist eben eine feine Sache, mit batteriebetriebener Unterstützung durch die Landschaft zu cruisen, zumal in unserer hügeligen Ostschweiz.

Klar darf man fragen, wie sinnvoll es ist, mit Mountain-E-Bikes Berge zu erklimmen, an deren Hängen es einem auf dem konventionellen Drahtesel schwarz würde vor Augen. Und gewiss nicht alle Lenkerinnen und Lenker

Bild: Ralph Ribi

Bild: Ralph Ribi

beherrschen ihren schnellen, aber schweren Stromer souverän. Da ist dann ein Fahrtraining empfehlenswert. Und wie bei allen Velos gilt die Devise: Helm auf! Wer sich nicht fit fühlt, soll das Bike bitteschön zu Hause lassen oder gleich ganz aufgeben. Das müssen sich aber auch die Verkehrsteilnehmer auf vier Rädern sagen lassen. Tagtäglich fallen Automobilisten durch waghalsige oder unsichere Fahrweise auf, werden Wege abgeschnitten, Vortritte genommen, Verkehrsregeln verletzt.

Ach ja, die Verkehrsregeln. Es gibt ja Zeitgenossen, die sehen solche Regeln eher als Empfehlung denn als Verpflichtung. Und das gilt für Leute, die auf vier oder auf zwei oder auf gar keinen Rädern unterwegs sind gleichermassen. Dabei wiederum spielt der generell zunehmende Verkehr eine wichtige Rolle. Das bedeutet mehr Stress, mehr Dampfablassen auf der Strasse – und mehr Unfälle. Und das in der Region einer Stadt wie St. Gallen, die punkto Velofreundlichkeit wahrlich eine traurige Figur abgibt. 


"E-Bike-Fahrer suchen Befriedigung ohne Leiden"


(Christof Krapf, Redaktor)

E-Bike-Fahrer nerven. Nicht flächendeckend, aber regelmässig. Da radelt man mit dem – elektroantriebslosen – Rennvelo mehr oder weniger mühevoll durchs Appenzellerland. Besonders in den Steigungen fliesst der Schweiss, das Atmen fällt schwerer und in den Ohren rauscht das Blut. Die Beine brennen sowieso längst. Just in solchen Momenten, in denen einem der innere Schweinehund zuflüstert, man solle lieber umkehren und vom Rennvelo aufs Feierabendbier umsatteln, passiert es. Man wird überholt – meist von einem Rentner mit Bäuchlein auf einem Mountainbike. Oft schmettern diese erschreckend gut gelaunten Radfahrer einem obendrein ein fröhliches «Grüezi» entgegen; ehe sie mühelos vorbeiziehen. Selbst bringt man in solchen Situationen vor lauter Anstrengung kein Wort mehr heraus. Dafür beginnt man an der Fitness zu zweifeln und überlegt, ob die Grillparty am Abend zuvor nicht eine zu viel war.

Der überholende Rentner sitzt aber nicht auf einem normalen Mountainbike, sondern trampelt mit einem E-Bike der Passhöhe entgegen. Er sucht die Befriedigung, eine Steigung bezwungen zu haben, ohne dafür leiden zu müssen. Ohne brennende Beine, rauschendes Blut und Schweisstropfen. Oben angekommen isst er

Bild: Ralph Ribi

Bild: Ralph Ribi

genüsslich einen Wurst-Käse-Salat, den er sich – im Gegensatz zum Gümmeler – nicht einmal verdienen musste. Das riecht nach Betrug; nach technischem Doping; nach unsportlichem Verhalten. Ein E-Bike mag als Transportmittel für Pendler oder Eltern mit Kinder-Anhänger eine hilfreiche Erfindung sein. Für Sportler ist es nichts. Das zeigt sich spätestens in der Abfahrt des Passes, den auch der Rennvelofahrer mittlerweile bezwungen hat. Die Rollen sind vertauscht: Der Gümmeler zieht bergab am E-Bike-Fahrer vorbei. Das passt dem nicht. Das «schönen Abend» beim Überholen bleibt unbeantwortet. Sportsgeist geht anders.