Privater Blick auf Glaubenskrieg

Andreas Stock
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Kino Die Lage in Ägypten ist ein wenig aus der Tagesaktualität verschwunden. Was nicht heisst, dass die politische Situation sich gebessert hat. Nicht um die Politik, sondern darum, wie das Leben sich für Menschen präsentiert, die zu einer religiösen Minderheit gehören, dreht sich «La vallée du sel» von Christoph M. Saber. Der junge Regisseur aus Lausanne besucht zu Weihnachten 2012 seine Eltern in Kairo. Der Vater ist Ägypter, die Mutter Schweizerin; sie sind Christen, die sich in einem christlichen Zentrum ausserhalb der Stadt engagieren. Am Abend vor der Abreise nach Ägypten erfährt Saber per Mail, dass seine Eltern Morddrohungen erhalten. Er packt darum seine Videokamera mit ein.

Wie geht man um mit der Bedrohung

Im Zuge der Machtübernahme durch die Muslimbrüderschaft von Mohammed Mursi fühlen sich fanatische Kreise angestachelt, die christliche Minderheit zu bedrohen. Mit der Handkamera entstehen oft aus dem Moment heraus die Aufnahmen von Saber, der die Situation seiner Eltern festhält. Es ist ein familiär-intimer, beunruhigender Blick darauf, wie Menschen mit Bedrohung umgehen. Der Vater gibt sich stets optimistisch, unerschütterlich. Doch wenn er während eines längeren Telefons mit einem der Drohanrufer redet, wird die extrem angespannte Situation unmittelbar spürbar. «La vallée du sel» ist ein Dokument dafür, wie es einem in einer Situation ergehen kann, die sich rationaler Einordnung entzieht.

Andreas Stock

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