PREISE: Die Sonne ist auf seiner Seite

Ob Sportanlass oder Naturspektakel: Der Tagblatt-Fotograf Urs Bucher fängt mit seiner Kamera beides gekonnt ein. Und holt damit zwei Auszeichnungen beim Wettbewerb Swiss Press Photo.

Diana Hagmann-Bula
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Diana Hagmann-Bula

diana.hagmann-bula @tagblatt.ch

Eigentlich hatte er an jenem Tag im Juni 2016 keine Lust, aufzustehen. Schon gar nicht, rauszugehen. Es regnete Bindfäden. Doch Urs Bucher hatte Wochenenddienst – und einen Auftrag: den Bishops Cup in St. Gallen zu fotografieren, ein Rugbyturnier, an dem sich 30 Mannschaften aus der ganzen Welt messen. «Auf dem Weg ins Gründenmoos hagelte es sogar», erinnert sich der St. Galler. Als er eintraf, traten zwei Frauenteams gegeneinander an, der Untergrund war aufgeweicht, die Spielerinnen vom Gesicht bis zu den Füssen mit Schlamm verschmiert. Und plötzlich brach die Sonne durch. «Diese Stimmung verlieh meinen Bildern eine besondere Dramatik. Ich hatte Glück. Wie man es so oft braucht in der Fotografie.»

Doch Glück alleine genügt nicht, um einen Swiss-Press-Photo-Preis zu gewinnen. Es braucht Talent und Technik, es braucht das Gespür für den richtigen Moment. In Buchers Bilderserie zum Bishops Cup kommt alles zusammen: Er siegt damit in der Kategorie Sport. Dass es mehr Können als Glück ist, mit dem sich der 52-Jährige gegen seine Mitbewerber durchgesetzt hat, zeigt eine weitere Auszeichnung: In der Sparte Alltag belegt Bucher den dritten Rang. In fast schon poetischen Bildern hat er festgehalten, wie sich Mitte Dezember 2016 Wanderer, Schlittschuhläufer und Eishockeyaner auf dem zugefrorenen Seealpsee vergnügten. Zehn Jahre lang hatten sie auf dieses Spektakel warten müssen. Sich selber auf die Eisdecke zu begeben, daran habe er im Eifer hinter dem Sucher gar nicht gedacht, sagt Bucher.

«Lieber beobachten als inszenieren»

Mit zwölf Jahren hatte er von seinen Eltern zu Weihnachten seine erste Kamera geschenkt bekommen. Und tauchte damit ein in eine Welt, die ihn seither nicht mehr losgelassen hat. Bucher absolvierte eine Lehre als Fotoverkäufer bei Foto Hausamann in St. Gallen, übernahm das Porträtstudio eines Fotofachgeschäfts und ging auf Wanderschaft, ehe er eine Stelle bei der «Solothurner Zeitung» antrat. 1998 bis 2005 lebte er in Australien und fotografierte dort für die Fotoagentur EQ Images Sportanlässe. Unterdessen arbeitet er seit sieben Jahren für die Tagblatt Medien; die beiden Preise verdeutlichen, wie breit das Themen­gebiet ist, das er abdeckt. «Sensationell», freut sich Bucher über die Auszeichnungen. Und sieht sich darin bestärkt, weiterzufahren wie bisher: Zu beobachten und auf das Spontane zu vertrauen, statt zu inszenieren.