PHOBIE: Therapie vertreibt Ängste

Zürcher Forscher untersuchen die Wirkung der kognitiven Verhaltenstherapie im Computertomographen

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Scheinwerferlicht kann auch Angstgefühle auslösen. (Bild: Getty)

Scheinwerferlicht kann auch Angstgefühle auslösen. (Bild: Getty)

Immerhin einer von zehn leidet im Lauf seines Lebens ein Mal unter einer sozialen Phobie. Er fürchtet dann, sich vor andern unsterblich zu blamieren, sich peinlich zu verhalten oder abgelehnt zu werden – selbst wenn er weiss, dass die Angst übertrieben ist. Oft taucht diese Gehemmtheit schon im frühen Jugend- und Erwachsenenalter auf und verschwindet nicht mehr. Und weil von ihr Geplagte oft lange warten, ehe sie Hilfe suchen, werden ihre Symptome chronisch. Sie reichen von Er­röten über Händezittern, Übelkeit und Engegefühl bis zu Schwindel.

Was alles eine Rolle spielen kann

Zahlreich sind die Erklärungen für soziale Phobie. Eine isoliert verlebte Kindheit kann eine Rolle spielen oder die Neigung, (zu) viel auf die Meinung anderer zu geben. Auch Opfer sexuellen Missbrauchs entwickeln öfter solche Phobien. Schliesslich werden auch genetische Ursachen diskutiert. Und so vielfältig wie die möglichen Ursachen ist die Palette der Therapien. Eine besonders wichtige ist jetzt von Forschern der Universität Zürich genauer untersucht worden, und zwar mit Hilfe der Magnetresonanz-­Tomographie. Es geht um die kognitive Verhaltenstherapie. In ihr lernen Betroffene in Gruppen, wie sie mit heiklen Situationen umgehen. Sie be­­ob­achten sich selber, machen Rollenspiele und entwickeln neue Sichtweisen auf ihr Problem.

Das Gehirn passt sich an Veränderungen an

Welche bleibenden Veränderungen bewirkt eine zehnwöchige kognitive Verhaltenstherapie, das war die Frage. «Wir können zeigen, dass es zu strukturellen Veränderungen in Hirnarealen kommt, die mit Selbstkontrolle und Emotionsregulation zusammenhängen», erklärt die Leitende Ärztin Annette Brühl die Ergebnisse. Je erfolgreicher die Behandlung war, umso ausgeprägter waren die Veränderungen der Hirnstruktur. Auch die tiefen Hirnareale sind stärker vernetzt. Sie sind an der Verarbeitung der Emotionen beteiligt.

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