Pestizide beeinflussen Springschwänze

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Gift Saatgut ist häufig mit Pestiziden und Fungiziden behandelt, um die jungen Pflanzen vor Insektenfrass oder Pilzerkrankungen zu schützen. In Verruf geraten sind Neonicotinoide, die mit dem Massensterben der Bienen in Zusammenhang gebracht werden und daher teilweise verboten wurden. Zusätzlich zur Saatgut-Beizung werden auf den Äckern weitere Pestizide etwa zur Unkrautkontrolle ausgebracht.

Um die Wirkungen dieser Pestizidgruppen auf Bodenorganismen zu erforschen, haben Wissenschafter der Universität für Bodenkultur Wien zwei Glashausversuche durchgeführt.

Es zeigte sich, dass verschiedene Bodenorganismen unterschiedlich auf Pestizide reagieren: Nach einmaliger Aussaat mit gebeiztem Saatgut zeigten Springschwänze und Bodenmikroorganismen eine erhöhte Aktivität. «Die Springschwänze vermieden tiefere Bodenschichten und tummelten sich vermehrt an der Oberfläche», sagte Johann Zaller. Durch die Beizung würden auch Nährstoffe in den Boden kommen, die zu einer Stimulierung der Mikroorganismen führen könnten. Dennoch war die Abbautätigkeit im Boden reduziert. Regenwürmer blieben nach der ersten Aussaat unbeeinflusst.

Nach der zweiten Aussaat von gebeiztem Saatgut ging dagegen die Aktivität der Regenwürmer zurück, während die Mikroorganismen im Boden unverändert blieb, «die haben sich offensichtlich bereits an das neue Milieu angepasst». Als «vielleicht wichtigstes Ergebnis» der Studie bezeichnete Zeller, dass die negative Wirkung der Saatgut-Beizung speziell auf die Regenwürmer durch Glyphosat-Herbizide noch verstärkt wurde. Solche Kreuzwirkungen würden bei der Zulassung von Pestiziden nicht untersucht. Zudem würden sich in der Praxis die Pestizide durch jährliche Anwendungen im Boden ansammeln und könnten dort langfristig wirken. (sda)