40-Plus-Mütter
Schön, berühmt und zum Karriere-Höhepunkt noch ein Kind

Madonna, Kim Basinger, Prinzessin Caroline von Monaco, Cherie Blair und nun Carla Bruni – sie alle haben eines gemeinsam: Sie sind nicht nur schön und berühmt, sie sind auch alle mit über 40 Jahren noch Mutter geworden.

Silvia Schaub
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Kinder als Jungbrunnen für ältere Frauen: Schauspielerin Halle Berry bekam ihre Tochter Nahla im Alter von 42 Jahren. INFphoto.com

Kinder als Jungbrunnen für ältere Frauen: Schauspielerin Halle Berry bekam ihre Tochter Nahla im Alter von 42 Jahren. INFphoto.com

Mehr als jedes 10. Kind, das in der Schweiz geboren wird, hat eine Mutter, die älter als 35 ist. Demnach ist Mutter werden über 40 heute ziemlich normal. Das ist zugegebenermassen eher spät. Zum Vergleich: In den 60er-Jahren bekamen Frauen ihr erstes Kind im Durchschnitt mit 23. Damals galt man schon ab 30 als «spät gebärend».

Eins nach dem anderen

Heute spreche man nicht mehr von diesem Begriff, sagt Prof. Dr. Michael Hohl, Chefarzt Gynäkologie vom Kantonsspital Baden. Hohl begründet das damit, dass heute die Frauen generell fitter sind, sich gesund ernähren und ihr Kind bestens vorbereitet auf die Welt bringen. Zudem ist es wissenschaftlich nachgewiesen, dass das Risiko bei über 40-jährigen Müttern nicht grösser ist als bei jüngeren, sofern sie nicht sonst an Krankheiten leiden und medizinisch gut betreut sind. Mittlerweile sind 40-Plus-Mütter aus keinem Geburtsvorbereitungskurs, keinem Geburtssaal und keinem Kinderschwimmkurs mehr wegzudenken.

Für Gynäkologe Hohl liegen die Gründe auf der Hand: «Besonders Frauen mit guter Ausbildung wollen sich erst beruflich etablieren, finanziell abgesichert sein und den richtigen Partner haben, bevor sie schwanger werden.» Ganz nach dem Motto: eins nach dem anderen. Nicht nur die Frauen schieben das Thema Kind gerne auf die lange Bank: Auch viele potenzielle Väter sind nicht bereit, wegen Nachwuchs im Beruf zurückzustecken. «Männer sind in Sachen Kinder meist nicht die treibende Kraft», stellt Hohl fest.

Fruchtbarkeit nicht überschätzen

Manchmal hilft auch einfach der Zufall nach, wie bei Karin Tobler. Die selbstständige Betriebswirtschafterin hatte eigentlich mit dem Kinderkriegen innerlich schon abgeschlossen, als sie mit 42 überraschend schwanger wurde. Vorher setzte sie voll auf ihre Karriere, nun geniesst sie ihr Muttersein. «Unser Jan ist ein absolutes Wunschkind», freut sich die heute 48-Jährige über ihren Nachwuchs.

Dank Verhütung und Fortpflanzungsmedizin glauben viele Frauen, es sei kein Problem, noch ein bisschen zuzuwarten. Ein Trugschluss: «Irgendwann stossen sie an die Grenzen, die die Natur setzt. Viele unterschätzen und verdrängen das», weiss der Mediziner. Schon ab 25 nimmt die Fruchtbarkeit bei den Frauen kontinuierlich ab. Bis dahin besteht pro Zyklus eine Chance von ca.
30 Prozent, schwanger zu werden, ab 40 nur noch von 5 Prozent. Auch die Gefahr, ein behindertes Kind zu gebären, steigt massiv an. Zum Beispiel von Trisomie 21 (Downsyndrom): Bei 45-Jährigen liegt die Wahrscheinlichkeit bei 1:30. Dazu kommt die Gefahr von Diabetes, Bluthochdruck und Fehlgeburten. Dann kann oft nur noch medizinische Unterstützung weiterhelfen – ein meist langer und beschwerlicher Weg.

Ein eher neuer Ausweg wird heute mit dem Einfrieren der Eizellen angeboten. Ein Trend, der noch zunehmen werde, glaubt Michael Hohl. Allerdings ist in der Schweiz gesetzlich nur eine Aufbewahrung von bis zu 5 Jahren erlaubt. Deshalb mahnt der Gynäkologe: «Einfacher wäre eine gute, frühzeitige Planung.»

Gelassenere und reifere Mütter

Trotzdem kann der Experte älteren Frauen Mut machen und sieht in der späten Mutterschaft durchaus auch Vorteile für die Kinder: «Frauen im fortgeschrittenen Alter bringen mehr Lebenserfahrung mit, sind oft gelassener, reifer und leben meist in stabilen Beziehungen.» Sie würde die Mutterschaft bewusster erleben, weil die Kinder Wunschkinder sind und nicht einfach ins Leben purzeln.

Dieser Vorteil kann manchmal auch ins Gegenteil kippen. Dann nämlich, wenn Mütter ab 40 ihre Fürsorge übertreiben. «Helikopter-Mütter» nennt die Wissenschaft Frauen, die ihr – meist einziges – Kind von morgens bis abends behüten und fördern wollen. Sie verfolgen ihr «Projekt Kind» mit dem gleichen Ehrgeiz wie vorher ihren Job. Kinder-Yoga, Chinesisch-Kurs, Geigen-Unterricht, alles im Glauben, ihr Kind auf diese Weise am besten zu unterstützen. Meist aber sei es so, stellt Hohl fest, dass die späten Mütter zwar kurzfristig im Berufsleben kürzertreten, bald aber wieder Fuss fassen wollen und sich somit die Betreuung teilen.

Kinder als Anti-Aging-Therapie

Bei älteren Müttern sind die Kraftreserven vielleicht schneller aufgebraucht. Dafür haben sie vielen jüngeren an psychischer Stärke und Gelassenheit einiges voraus. Das «Angebunden-Sein» macht ihnen weniger aus, und sie sind mit ihrem Leben insgesamt mehr im Reinen. «Sie haben ein gutes Selbstvertrauen und verlassen sich auf ihre Fähigkeit, Dinge anzupacken», so Hohl. Oder mit den Worten von Karin Tobler: «Kinder sind eine wunderbare Anti-Aging-Therapie. Jan hält mich jung – im Kopf und im Umgang mit anderen.»

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