Naidoo-Rauswurf bedeutet Ende für «weltbeste Jury» – wer wird ihn bei «DSDS» ersetzen?

Mittwoch Abend gab der deutsche TV-Sender RTL bekannt, dass er Jurymitglied Xavier Naidoo nach Rassismusvorwürfen aus der Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» rauswirft– kurz bevor die Liveshows beginnen. Was heisst das jetzt für das Format?

Deborah Gonzalez
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Wieder ist Xavier Naidoo in Rassismus-Vorwürfe verstrickt – diesmal kostet es ihn seinen Juryposten bei «DSDS».

Wieder ist Xavier Naidoo in Rassismus-Vorwürfe verstrickt – diesmal kostet es ihn seinen Juryposten bei «DSDS».

Keystone/ALEXANDRA WEY

Am Samstag geht es in die Live-Mottoshows der deutschen RTL-Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» («DSDS»). Der Sender kündigte schon im Vornherein viele Neuerungen an. Doch mit dieser hatte wohl keiner gerechnet: Statt aus vier Juroren, wird die Jury ab jetzt nur noch aus Dieter Bohlen (66), Oana Nechiti (32) und Pietro Lombardi (27) bestehen. Der deutsche Sänger Xavier Naidoo (48) wird nicht mehr mit den anderen am Pult sitzen und die Kandidaten bewerten. Ein Rauswurf mitten in der Staffel!

Warum schmeisst «DSDS» ihr Jurymitglied raus?

Was ist geschehen: Seit Dienstagabend kursiert ein kurzer Clip des Soulsängers auf den sozialen Medien. Darin besingt er die gesellschaftliche Situation Deutschlands: «Ich habe fast alle Menschen lieb, aber was, wenn fast jeden Tag ein Mord geschieht, bei dem der Gast dem Gastgeber ein Leben stiehlt?»

Ein waschechter Skandal. Denn in den Kommentaren bei Twitter wird Naidoo Rassismus und Fremdenhass vorgeworfen. «Lässt sich von Nazis feiern. Wie kann man sich selbst so wegschmeißen?» oder «Rassismus ist KEINE Meinung!» sind nur einige der Kommentare. Auch Prominente haben sich bereits eingeschalten und Konsequenzen für den Sänger gefordert.

Doch nicht alle sehen die Zeilen so kritisch. Vor allem Anhänger der deutschen rechtspopulistischen Partei AfD feiern Naidoo und unterstützen ihn. So schreibt etwa der AfD-Politiker André Poggenburg: «Wer der politischen Korrektheit nicht entspricht, wird aussortiert.» Er spricht von Meinungsfreiheit und findet Gehör bei anderen Nutzern: «Das Video von #Naidoo ist so brandgefährlich das es 2 Jahre lang niemand bemerkt hat.»

In der Tat soll das Video bereits 2018 entstanden sein. Die Rassismus-Vorwürfe weisst Naidoo auf Sozialen Medien zurück. «Ich setze mich seit Jahren aus tiefster Überzeugung gegen Ausgrenzung und Rassenhass ein. Liebe und Respekt sind der einzige Weg für ein gesellschaftliches Miteinander», heisst es auf seinem Facebook-Account. Mittlerweile hat der Post zehntausende Likes. Zu der Entstehung des Videos äußerte er sich indes nicht.

Der Sender RTL schreibt, dass Naidoo ihnen noch eine Antwort schuldig sei. Geschäftsführer Jörg Graf sagt zu dem Vorfall: «RTL steht für Vielfalt im Programm. Wir sind Verfechter der Meinungsfreiheit. Dazu gehört aber auch, dass wir jede Form von Rassismus und Extremismus entschieden ablehnen.»

Die aufgetauchten Videos von Xavier Naidoo hätten RTL massiv irritiert und die Bitte, seine Äusserungen im Dialog und live bei RTL persönlich und öffentlich zu diskutieren und zu erklären, habe der Sänger bislang unbeantwortet gelassen. «Gerade diese Diskussion fänden wir wichtig, da für uns die Aussagen im Video und seine Kommentierung danach überhaupt nicht zusammenpassen. Daher haben wir uns entschieden, ihn für die kommende Liveshow von DSDS auszuschliessen.»

Und jetzt?

Wie es nun weitergeht? Fraglich. In der ersten Liveshow am Samstag wird die Jury zu dritt die Kandidaten beurteilen. Dieter Bohlen, Oana Nechiti und Pietro Lombardi werden weiterhin an dem Pult sitzen. Ob danach ein viertes Jurymitglied dazustösst, bleibt unklar. Eine Rückkehr des Soulsängers scheint ausgeschlossen. Damit würde sich RTL keinen Gefallen tun – das zeigen die zahlreichen Kommentare auf Sozialen Medien und die öffentliche Empörung.

Optionen für einen Ersatz hat RTL genug. Immerhin haben sie die DSDS-Jury bis auf die aktuelle Zusammensetzung immer wieder neu zusammengewürfelt. Die letzten Jahre sassen etwa die Tokio-Hotel-Brüder Bill und Tom Kaulitz in der Jury, genauso wie die Influencerin Shirin David, Schlagersängerin Michelle oder DJ Antoine – der sitzt aber momentan bei «The Voice of Switzerland» in der Jury.

Eine weitere Option könnte die Ex-Frau von Jurymitglied Pietro Lombardi sein. Die Konstellation war bereits im Vorfeld ein Thema. Jedoch wollte der Sänger nicht mit seiner Ex in der Jury sitzen. Er stellte RTL ein Ultimatum: «Sie oder ich». Und die DSDS-Macher entschieden sich für ihn. Aber auch Sarah Lombardi ging nicht leer aus, sie ergatterte den Platz neben Dieter Bohlen bei der Castingshow «Das Supertalent». Könnte Pietro Lombardi sich nun umentscheiden? Würde Sarah Lombardi zusagen? Es bleibt spannend.