USA

Macher von US-Video zu Rebellenführer Kony noch Wochen in Klinik

Der nackt und verwirrt aufgegriffene Macher des umstrittenen US-Internetvideos zum ugandischen Rebellenführer Joseph Kony muss wegen psychischer Probleme mehrere Wochen in einer Klinik bleiben. Jason Russell hat eine kurzzeitige Bewusstseinsstörung erlitten.

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NGO Invisible Children muss einige Zeit ohne Mitbegründer Jason Russell auskommen

NGO Invisible Children muss einige Zeit ohne Mitbegründer Jason Russell auskommen

Keystone

Dies teilte seine Familie am Mittwoch mit. Der Mitbegründer der Kinderhilfsorganisation Invisible Children hatte offenbar die weltweite Prominenz des Videos nicht verkraftet. Die Psychose sei durch "extreme Erschöpfung, Stess und Dehydrierung" ausgelöst worden, erklärte die Familie. Drogen hätten keine Rolle gespielt.

Russell war in der vergangenen Woche nackt und verwirrt im kalifornischen San Diego aufgegriffen und in eine Klinik eingewiesen worden. Nach Polizeiangaben rannte der 33-Jährige auf der Strasse umher, beeinträchtigt den Verkehr und schrie.

Die Polizisten hätten auf einen Funkruf reagiert, nachdem ein Zeuge berichtet habe, der Mann habe nackt auf der Strasse masturbiert. Andere Passanten hätten berichtet, er habe den Verkehr aufgehalten.

Kritik an Video

Invisible Children, die gegen den Einsatz von Kindersoldaten kämpft, hatte Anfang März das halbstündige Video "Kony 2012" ins Internet gestellt. Der Film dreht sich um den seit Jahren vom Internationalen Strafgerichtshof gesuchten Anführer der Lord's Resistance Army (LRA), Joseph Kony.

Das Video wurde mehr als 85 Millionen Mal angeklickt. Russell ruft darin die Zuschauer auf, Druck auf US-Politiker zur Entsendung von Truppen nach Afrika auszuüben. Russell hatte sich zuletzt vermehrt gegen Kritik an dem Video verteidigen müssen.

Proteste in Uganda

Ihm wurde vorgeworfen, eine undifferenzierte Sicht auf die LRA und den Konflikt in Uganda zu vertreten. In Uganda musste die Vorführung des Videos nach Protesten abgesetzt worden. Die LRA war Ende der 80er Jahre gegründet worden, um für die Interessen der nordugandischen Volksgruppe der Acholi zu kämpfen.

Heute gilt sie als eine der brutalsten Rebellengruppen der Welt und ist vor allem im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, in Zentralafrika und im Südsudan aktiv. Ende 2011 entsandten die USA rund hundert Soldaten nach Zentralafrika, um die dort gegen die Rebellen kämpfenden Streitkräfte zu unterstützen.